Song Conversation: Judith Holofernes, Gisbert zu Knyphausen & Käptn Peng – Konzert am 19.06.2016 in der Reithalle, Karlskaserne in Ludwigsburg

Song Conversation © About Musïc | Stephanie Bauer

Am vergangenen Wochenende fand sowohl in Stuttgart, als auch in Ludwigsburg die Song Conversation statt. Ein außergewöhnlich erfolgreiches Format der Ludwigsburger Schlossfestspiele, welches vor sechs Jahren vom Intendanten Thomas Wördehoff entwickelt wurde. Und so ist es kein Wunder, dass in den vergangenen Jahren, sowie auch in diesem Jahr, die Konzerte der Song Conversation restlos ausverkauft waren.

Wir durften das Konzert in Ludwigsburg besuchen und waren recht gespannt, da es unsere erste Song Conversation werden sollte. Eingeladen waren an den beiden Abenden drei deutsche Künstler, deren Karriere unterschiedlicher nicht
sein kann. Einer macht mehr so Rap (Käptn Peng), die Andere war in einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Bands des letzten Jahrzehnts (Judith Holofernes) und der Dritte gehört wohl zu den besten Songwritern die Deutschland zu bieten hat (Gisbert zu Knyphausen). Zudem waren noch die beiden Multiinstrumentalisten Felix Weigt und Max Schröder mit dabei, die die Hälfte der Popgruppe – Die Höchste Eisenbahn ausmachen.

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Das Set eröffnet haben die fünf Musiker mit Judith Holofernes Single M.I.L.F.. Es folgte der Song Henry Lee von Nick Cave und PJ Harvey. Die ersten vier Songs gehörten laut  Judith, Peng und Gisbert zu den eher „merkwürdigen“ Songs, die aber auf irgendeine Art und Weise ihr aller Leben beeinflusst haben.

Auf die „merkwürdigen“ folgte ein Block von Liebesliedern. Begonnen hat Gisbert mit einem neuen und noch nicht veröffentlichten Song, welcher unter anderem die Zeile „wir lächeln so schön“ enthielt. Und das Publikum in Ludwigsburg…es lächelte so schön. Käptn Peng übernahm und mischte Reim mit Rap und Gesang beim Song – Sie mögen sich. Weiter ging es mit Judiths Song Liebe Teil 2. Danach versuchte sich Käptn Peng singend an Element Of Crimes – Ofen aus Glas.

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Laut eigener Aussage haben sie sehr viel geprobt und hatten bei den Proben eine Menge Spaß zusammen, aber auch Zweifel, wie sie das Projekt angehen sollten. Auch während des Konzertes fiel dem Zuschauern merklich auf, wieviel Spaß die fünf zusammen auf der Bühne haben. Die Chemie zwischen den Künstlern passte einfach. Einige Anekdoten aus Proberaum und Tourbus durften natürlich auch nicht fehlen. Interessant war auch wie es zu den auserwählten Songs kam und welche Geschichten sie damit verbinden.

Auf die Liebeslieder folgten Songs, die die drei im Laufe ihres Lebens besonders ins Herz geschlossen hatten. Einen gemeinsamen Lieblingskünstler haben Peng und Gisbert gefunden und zwar sind beide große Fans von Conor Oberst. Er ist unter anderem auch als Sänger der Band Bright Eyes bekannt und hat bisher eine ganze Riege von großartigen Songs geschrieben. Es dauerte laut Judith sehr lange, bis sich die beiden Herren während der Proben auf einen der Songs von Oberst überhaupt einigen konnten und diesen dann auch angemessen beherrschten. Ihre Wahl fiel letztendlich auf den Bright Eyes Song Bowl of Orange. Zugegeben, einen zweiten Anlauf benötigten sie, aber dann gelang ihnen der Song ganz gut. Danach kam einer von Judiths Lieblingssongs, Bob Dylans – Masters of War gefolgt von Käptn Pengs – Liebes Leben. Der letzte Song Das Leichteste der Welt von Kid Kopphausen

Und alles gerät in Bewegung der ganze Raum fängt an zu schwingen
Und ich höre eine engelsgleiche Stimme und viele mehr die mitsingen
Sie singen „never mind the Darkness Baby you will be save by Rock ’n‘ Roll, yeah Rock ’n‘ Roll”

Song Conversation_10Es folgte ein tobender Applaus und Standing Ovation – natürlich. Und natürlich kamen die fünf Musiker für eine Zugabe zurück auf die Ludwigsburger Bühne. Es begann Gisbert, der das Publikum einen Song wählen lies. Die Wahl fiel auf den Gänsehaut Song Flugangst, welcher noch von Gisberts erstem Album stammt. Als nächstes war Judith Holofernes an der Reihe, die sich als Country Liebhaberin outete und den Song If I Had a Boat von Lyle Lovett auf deutsch übersetzte – Hätte ich ein Boot. Auch Käptn Peng ließ das Publikum entscheiden und so fiel die Wahl auf Sockosophie. Um den Song gebührend zu performen, benötigte Herr Peng aber erstmal seine Socke. Schuhe aus, Socken aus, Socke auf Hand und mit der Socke ordentlich einen runter reimen. Dabei wurde er von den anderen vier Musikern begleitet, die mit ihren Instrumenten zu seinen Raps jammten. Ein toller Abschluss der nochmal zeigte, wieviel Talent in all den Künstlern steckt.

Mit großem Applaus wurden die Musiker gewürdigt und verabschiedet. Da der Applaus kein Ende fand, kam Käptn Peng kurz wieder um uns allen mitzuteilen, dass sie tatsächlich nichts mehr haben, dass sie spielen könnten. Letztendlich waren wir sehr zufrieden und haben einen interessanten Abend erlebt mit Künstlern, die etwas neues probierten und laut eigenen Aussagen, ihre Grenzen testeten und sich auf musikalisch neuem Terrain bewegten. Eine schöne Erfahrung, sowohl für die Künstler selbst, wie auch für das Publikum, welches dieses Zusammenspiel hautnah erleben durfte.