Noch etwas erschöpft von der vorigen Nacht starten wir in den letzten großen Tag des Primavera Sound 2019. 

Unsere erste Station ist der Norweger Boy Pablo, dessen richtiger Name Nicolas Pablo Muñoz uns doch sehr spanisch vorkommt. Kein Wunder, seine Eltern sind ursprünglich aus Chile, weshalb er problemlos seine Ansagen zwischen den bunten gute Laune Dream-Pop Songs auf spanisch macht. Mit einem Glas Wein in der Hand tanzen wir ein letztes Mal in der Abendsonne Barcelonas. 

Setlist – Boy Pablo

BOY PABLO
Foto: © Sharon Lopez / Primavera Sound Festival 2019

Dann machen wir uns auf den Weg zu Frank Carter & The Rattlesnakes. Erst vor kurzem erschien dessen ernegiegeladenes Album End Of Suffering. Dass Herr Carter zu einem der nettesten Menschen überhaupt gehört und sich für das Gute einsetzt, zeigt sich mehrfach. So widmet er auf allen seinen Konzert den Ladies einen bestimmten Song – nur für sie – bei dem sie einen Mosphit OHNE Männer machen können. Wir waren mittendrin und es fühlte sich wirklich sehr befreiend, bedenkenlos und erstmals sicher an. Eigentlich hätten wir das gerne bei jedem Konzert. Wobei wir uns beim Primavera Sound generell und vor allem in diesem Jahr sehr sehr sicher und frei fühlen. 

FRANK CARTER & THE RATTLESNAKES Foto: © Eric Pamies / Primavera Sound Festival 2019

Unmittelbar im Anschluss stand mit Loyle Carner schon der nächste britische Act auf der Bühne. Dieser präsentierte Hip Hop aus Großbritannien vom Feinsten. Er spielte seine Hits wie You Don’t Know, Angel, den er gemeinsam mit Tom Misch aufnahm, oder auch Loose Ends. Wie treffend und vorausschauend er während seines Auftritts das Trikot vom FC Liverpool trug, die zur gleichen Zeit auf dem Platz standen und später den Champions League Titel holten.

LOYLE CARNER
Foto: © Eric Pamies / Primavera Sound Festival 2019

Wir begeben uns zur Pull & Bear Stage, vor welcher sich inzwischen ein Großteil Spaniens versammelt hatte. Kein Wunder, die direkt aus der Umgebung Barcelonas stammende Künstlerin Rosalía tritt an. Sie ist aktuell der heißeste Superstar Spaniens und erreichte mit ihren Songs auch uns in Deutschland. So ist auch bei uns die Freude und Erwartung da, immerhin ist ihr aktuelles Album El Mal Querer ganz oben auf unserer Playlist.
Rosalía schafft das Besondere: modernen Pop und R-’n’-B-Tracks mit traditonsgetränkten Flamenco Rhythmen und Gesang aus ihrer Heimat zu verbinden.
Auf der Bühne präsentiert sich die erst 25 Jahre alte Sängerin wahrlich wie ein Star, sie hat ganze sechs Tänzerinnen mit sich und jeweils zwei Sängerinnen und Sänger, die mit ihr die Flamenco Rhythmen klatschen. Und dann gibt es noch einen Herr, der sowohl Keys als auch Drums bedient. Gleich von Beginn an singen alle mit bei Pienso en tu mirá und das geht dann durchweg bis zum Ende mit dem großartigen Malamente. Für einen wunderbaren Gänsehaut sorgt das Duet mit James Blake, der gemeinsam mit Rosalía den Song Barefoot In The Park singt.

ROSALIA
Foto: © Sergio Albert / Primavera Sound Festival 2019

Wir entscheiden uns gegen Solange, Neneh Cherry und schweren Herzens auch Lizzo und begeben uns zu Jarvis Cocker. Der Pulp Frontmann und Tausendsassa trat unter dem Titel  „Jarv Is“ auf und ließ damit viel Spielraum für Interpretation. 
Es folgte ein Cover von Blondies Heart of Glass, er spielte uns Further Complication, den Titelsong seines zweiten Solo Albums und Am I Missing Something? – ja – Jarvis Cocker ist der geborene Entertainer, tanzt, singt und überzeugt mit seine britische Charme und natürlich den kleinen Geschichten zwischen den Songs. 

JARVIS COCKER
Foto: © Dani Canto / Primavera Sound Festival 2019

Wir bewegen uns weiter zum nächsten Indie Rock Spektakel, diesmal aus Schottland zu Primal Scream, mit dem nicht minder exzentrische aber doch wortkargeren Frontmann Bobby Gillespie

PRIMAL SCREAM
Foto: © Christian Bertrand / Primavera Sound Festival 2019

Und noch ein Brite, James Blake zieht zu später Stunde eine große Masse vor die Seat Bühne. Er spielt wohl das verträumteste, dunkelste aber vielleicht auch schönste Set des Festivals. Es ist wie eine Reise durch die eigene Gefühlswelt, mal traurig und mal fröhlich umhüllen einen die Beats, Klavierklänge, der hohe oder heisere Gesang von James Blake. Alles einfach und zurückhaltend, aber doch so mächtig.

Setlist – James Blake

JAMES BLAKE
Foto: © Eric Pamies / Primavera Sound Festival 2019

Wir schauen schnell noch bei Róisín Murphy vorbei. Mit ihren catchy Songs wie House Of Glass, You Know Me Better, Forever More oder auch The Grumble und den zugehörigen tanzbaren Synthie Beats hat sie zur späten Stunde das Publikum fest im Griff. Man kann gar nicht wegsehen, denn sobald man dies tut, hat sie entweder ihr komplettes Outfit gewechselt oder trägt einen Hut oder eine andere Sonnenbrille. 

Setlist – Róisín Murphy

ROISIN MURPHY
Foto: © Christian Bertrand / Primavera Sound Festival 2019

Eigentlich sind wir schon ziemlich durch, doch wir setzten uns kurz vor 4:00 Uhr doch noch auf die Treppen vor der Ray-Ban Bühne, wo gleich MODESELEKTOR ein Set spielen werden. Zwar sind wir glücklich über die Sitzplätze, aber es fällt uns doch recht schwer zum Sound der Deutschen sitzen zu bleiben. Wenn wir etwas können, dann richtig guten Techno oder eben so wie MODESELEKTOR gemischt mit Hip Hop und Elektro Beats. 

MODESELEKTOR
Foto: © Sergio Albert / Primavera Sound Festival 2019

Um kurz vor 5:00 Uhr am Morgen geht das Primavera Sound 2019 für uns zu Ende.
Wir blicken zurück auf drei wunderschöne Festival Tage. Zurück auf ein Festival, welches erstmals gezeigt hat, dass es auch mit einem ausgeglichenen Line Up aus Künstlerinnen und Künstlern geht. Wir hoffen, alle Festivals nehmen sich ein Beispiel am Primavera Sound – insbesondere die deutschen Festivals.

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