Primavera Sound Festival 2017 – der Samstag

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ARCADE FIRE Foto: © Sergio Albert / Primavera Sound Festival 2017

Unser letzter Tag auf dem Primavera Sound begann mit der australischen psychedelic Band Pond. Mit ihrem verzerrten, wavigen und auch rockigen Sound passten sie natürlich perfekt in die strandnahe Umgebung des Primaveras. Der Frontmann Paisley Adams aka Nick Allbrook kam mit seiner Latzhose und dem äußerem Erscheinungsbild zwar etwas schlaksig daher, hatte es aber faustdick hinter den Ohren, tanzte wie verrückt und warf sich Rock’n’Roll-like wie ein wahrer Rockstar ins Publikum. Dahingegen war Jay Watson (gleichzeitig auch Mitglied bei Tame Impala), der gutaussehende Surferboy an der Gitarre, eher ruhig und zurückhaltend zugange. Pond spielten ein bunt zusammengemischtes Set mit Songs wie Waiting Around for GraceSweep Me Off My Feet bis hin zu The Weather, dem Titeltrack des aktuellen und inzwischen schon siebten Pond Albums.

POND
Foto: © Sergio Albert / Primavera Sound Festival 2017

Es war Zeit für eine Legende. Van Morrison spielte auf der Heineken Stage und das Publikum pilgerte dementsprechend dort hin. Seine Setlist bestand aus ganzen 18 Songs, darunter, wie soll es auch anders sein, zahlreiche Klassiker wie Brown Eyed Girl, Moondance und Have I Told You Lately. Aber nicht nur seine eigenen Songs spielte er, sondern auch die von seiner damaligen Band Them. So bekam man auch Songs wie Here Comes the NightGloria oder die Coversongs I Can’t Stop Loving You (Don Gibson) und Baby, Please Don’t Go (Joe Williams‘ Washboard Blues Singers/Them) zu hören. Das war schon etwas besonderes für die Festivalbesucher.

VAN MORRISON
Foto: © Eric Pamies / Primavera Sound Festival 2017

Es war schon fast ein Bruch, als auf der Mango Stage Metronomy ihre ersten Indie-Elektro Töne anspielten. Aber auch hier hatte sich, so schien es, bereits wieder das komplette Festival versammelt. Lauthals wurde zu The Bay, I’m AquariusLove Letters und The Look mitgesungen, geklatscht und getanzt. Noch nie hatten wir so viele begeisterte Menschen bei einer Metronomy Show gesehen, vielleicht ist aber Deutschland auch kein guter Vergleich. Die Briten schienen selbst überrascht gewesen zu sein, welch großes Publikum sich vor der Bühne versammelt hatte und müssen zudem einen großartigen Ausblick gehabt haben.

METRONOMY
Foto: © Eric Pamies / Primavera Sound Festival 2017

Mit Grace Jones stand auf der Heineken die nächste Legende parat. Eröffnet hat sie die Show mit ihrem Iggy Pop Cover Nightclubbing. Es sei erwähnt, dass die Dame Jahrgang 1948 ist aber durchaus auf 35 Jahre jünger geschätzt werden kann. Bemalt von Kopf bis Fuß, kaum bekleidet, laszive, graziöse und sexy Bewegungen, Bad in der Menge, Outfitwechsel… Das macht ihr in dem Alter keiner so schnell nach! Gespielt wurden natürlich ebenfalls die größten Erfolgshits wie My Jamaican GuyPull Up to the Bumper und am Ende noch Slave to the Rhythm.

GRACE JONES
Foto: © Eric Pamies / Primavera Sound Festival 2017

Es folgten die Headliner des wohl gesamten Primavera Sound Festival Wochenende – Arcade Fire. Am Donnerstag spielten sie noch spontan ein kleines Set im Rahmen des #PrimaveraUnexpected und ihrer Album Ankündigung #EverythingNow welches am 28. Juli erscheinen wird. Die Spanier um uns herum in einer totalen Extase, kaum noch ein durchkommen, der gesamte Platz vor der Bühne ist gerammelt voll. In den ersten Minuten ist an ein Bewegen nicht zu denken, vom Publikum werden die Töne des Songs Wake Up angestimmt, lange bevor die Band die Bühne betritt. Tatsächlich beginnt das Set der Kanadier gerade mit diesem Song und erst danach hatte man sich ein wenig Freiheit und Luft zurück erobert. Genau zur richtigen Zeit, denn als nächstes wurde der neue Song Everything Now angespielt, der ganz unbedingt zum tanzen einlädt. Arcade Fire scheinen durchweg nur Hits in ihrer Setlist zu haben und so sangen die Spanier nebst ziemlich laut jeden einzelnen Song mit. Here Comes the Night Time, No Cars Go, The Suburbs, Ready to Start, Sprawl II, Reflektor, Afterlife und ganz besonders wurde nach fast zehn Jahren mal wieder Neon Bible live gespielt und auch In the Backseat. Als Zugabe gab es ganz am Ende den Song Windowsill, bei dem Band und Publikum nochmal ihre Kräfte bündelten. Im Nachhinein betrachtet waren Arcade Fire ein würdiger Headliner, die, wie es scheint, ziemlich gerne den Weg zum Primavera Sound auf sich nehmen – wir auch! Einmalig!

ARCADE FIRE
Foto: © Sergio Albert / Primavera Sound Festival 2017

Unser Fazit nach drei Tagen Primavera Sound fällt insgesamt wieder sehr positiv aus. Die Stimmung und die weitläufige Location ist ein Traum. Der Sound auf den Bühnen hervorragend, auch wenn er einem ab und an zu leise vorkam. Einer der großen Kritikpunkte ist, dass auch in diesem Jahr wieder ein sehr geschwätziges Publikum unterwegs war. Vor allem die Einheimischen fallen durch ihr lautes Organ negativ auf. Sogar im vorderen Bereich wurde ignorant vor sich hingeschwatzt, aber was will der Veranstalter dagegen tun? Wir vergessen das, denken an die vielen tollen sonnigen Momente in unserem Herz und hoffen, im nächsten Jahr wieder nach Barcelona auf das Primavera Sound reisen zu können!