Der zweite Tag auf dem Primavera Sound 2019 versprach wieder ein voller Erfolg zu werden.

Unsere erste Anlaufstelle ist die Primavera Stage, auf welcher Snail Mail auftritt. Wir lassen uns zwischen den vielen anderen Besuchern auf dem Grashügel mit Blick auf die Bühne nieder und lauschen der jungen Singer- und Songwriterin aus den USA. Ihre federleichte Stimme wird ergänzt durch sich immer wieder in den Vordergrund drängendes Gitarrenspiel und es entsteht eine typische Indie-Rock Atmosphäre wie aus dem Lehrbuch. Leider wird dieses zu Beginn durch ein paar technische Probleme gestört. Doch das macht keinem etwas aus, die Sonne scheint und mit einem Glas Wein oder Aperol Spritz in der Hand ist dies schnell beiseite geschoben. 

Dass Pond ihr Set auf der adidas Stage direkt mit ihrer Single Daisy aus dem aktuellen Album Tasmania beginnen, welche uns schon den halben Tag als Ohrwurm durch den Kopf schwirrt, ist natürlich ein Volltreffer. Wir könnten den Australiern um Nicholas Allbrook stundenlang zuhören und -sehen. Ihre Songs sind der Soundtrack zum Sommer und das Cover von Madonnas Ray Of Light ist so viel besser als das Original. 

Bei Kurt Vile & The Violaters geht es schon merklich bedachter zu. Mit seiner Stimme und wie er die Gitarre spielt, gehört Kurt Vile zweifelsohne zu den ganz großen Künstlern. Zwischen den Songs wird nicht viel geredet, dafür spielt er sich mit den unterschiedlichsten Gitarren und seinen The Violaters einmal quer durch seine Alben von B’lieve I’m Goin Down mit dem großartigen Pretty Pimpin oder eben dem wunderbaren Peeping Tomboy aus Smoke Ring For My Halo

Nach einer Pause an den diversen Food Ständen eilen wir rüber zur Seat Bühne und Carly Rae Jepsen. Versiert wie wir und viele andere Festivalisten sind, kommen wir genau rechtzeitig zum Ende und ihrem Radio Hit Call Me Maybe. Es wird gehüpft, lautstark mitgegrölt und Frau Jepsen begibt sich ins Publikum. Da fällt es auch kaum auf, dass ihre Stimme dabei untergeht – das richtet das Publikum.

Hey, I just met you and this is crazy
But here’s my number, so call me maybe…

CARLY RAE JEPSEN
Foto: © Eric Pamies / Primavera Sound Festival 2019

Janelle Monáe passiert dies nicht. Mit weißer Showtreppe und vier Tänzerinnen, legt die US-Amerikanerin eine Superwoman Show hin. Kein Wunder, sie behauptet ja auch von sich selbst, dass sie aus der Zukunft kommt. Auf jeden Fall haut sie uns einen Hit nach dem anderen um die Ohren. Von Crazy Classic Life über den abgefahrenen Pynk – ja, wir singen mit – auch bei Make Me Feel. Das ganze bringt sie auch noch mit den passenden politischen Statements zwischen den Songs rüber. Wir zweifeln, ob das alles Beyoncé besser hinbekommt.

JANELLE MONAE
Foto: © Sergio Albert / Primavera Sound Festival 2019

Miley Cyrus ist zwar DER Superstar auf der Line Up Bill, hat eine sehr überzeugende Stimme und kann sich wirklich auf der Bühne bewegen – aber das war es dann auch. Wir werden leider nicht warm mit ihr und wenn man von Highlight sprechen kann, dann wohl ihre Cover/Remix Version von Jolene, bei der Miley ihre ganze Stimmgewalt rüberbringen kann. 

MILEY CYRUS
Foto: © Eric Pamies / Primavera Sound Festival 2019

Eine feste Festival Instanz sind hingegen Tame Impala, die gefühlt immer ein Erfolgsgarant sind. So nutzten die Australier ihre 1 1/2 Stunden Spielzeit voll aus und entledigen sich einem Hit nach dem anderen. Let It Happen! Die Licht und Laser Show ist gigantisch und passt sich dem Gefühl, die die Songs transportieren, an. Und wie sympathisch sich Mastermind Kevin Parker vor dem Song Eventually daran erinnert, wie vor zwei Jahren an selber Stelle plötzlich der Strom auf der Bühne ausfiel und einfach das Publikum in Dauerschleife den Song gesungen hat. Genau das wünscht er sich gleich noch einmal. Natürlich erfüllen wir alle ihm den Wunsch. 
Müssten wir nach dem letzten Song New Person nicht schnell die Bühne wechseln, ja dann würden wir die ganze Nacht Applaus geben. 

TAME IMPALA
Foto: © Eric Pamies / Primavera Sound Festival 2019

Dancing Queen Robyn betritt hinter weißen Vorhängen um 5 vor 2:00 Uhr Nachts die Bühne. Vergangenes Jahr hatte sie nach sehr langer Abstinenz ihr neues Album Honey veröffentlicht. Und heute, da lockt sie gefühlt das komplette Primavera Sound Mitten in der Nacht vor ihre Bühne. Bevor wir es selbst bemerken, tanzen wir wie gemeinsam mit tausenden Menschen zu den Beats ihres Songs Honey und es geht immer so weiter. Zwischendurch wechselt sie ihr Outfit vom silbernen Kleid in einen roten Anzug aus Spitze und die Haare mit einer schwarzen Schleife zusammen gebunden, wie ein spanischer Torero. Völlig losgelassen tanzt sie über die Bühne zu With Every Heartbeat, an manchen Stellen gemeinsam mit einem Tänzer, Hang With Me. Und dann mitten im Song Dancing On My Own übergibt Robyn an das Publikum – Gänsehaut.

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