Obstwiesenfestival 2016 – der Freitag

Am vergangenen Freitag war es wieder Zeit für das Obstwiesenfestival in Dornstadt bei Ulm. Seit einigen Jahren hat sich bei uns der Besuch beim Obstwiesenfestival als ein Art „Abschluss“ des Festival Sommers eingebürgert. Das Line Up des kleinen Festivals kann sich jedes Jahr von Neuem sehen lassen und hat oft ganz besondere Acts mit am Start. Da es ein Umsonst & Draussen Festival ist, kann jeder der Lust hat, kommen und gehen und einfach nur die tolle Musik genießen. Zudem liegt das Festival in unmittelbarer Nähe zur Autobahn A8 und ist daher sowohl für Besucher, als auch für die Bands super zu erreichen.

In diesem Jahr fing für uns das Festival mit L’Aupaire an, der sympathische Sänger mit der Lockenmähne machte bei den sommerlichen Temperatur Lust zu tanzen und die Menge um uns herum bewegte sich ausgelassen zu den Indie, Folklore Klängen des Künstlers. Mit dabei hatte er eine Band, die ihn musikalisch unterstütze. Die gute Stimmung des Publikums, übertrug sich auch auf L’Aupaire, der mit bürgerlichem Namen Robert Laupert heißt und aus Gießen stammt. Mit sichtlich Spaß sprang auch er auf der Bühne umher und feierte seine Show und das Dornstadter Publikum.

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Nach L’Aupaire, ging es in das Festivaltent, wo die nächste Band ihren Auftritt hatte. Die Stuttgarter von Die Nerven hatten beinahe ein Heimspiel. Laut eigener Aussage besuchen auch die Jungs von Die Nerven das Festival bei Ulm schon jahrelang privat und freuen sich deshalb umso mehr auf ihren Auftritt beim diesjährigen Obstwiesenfestival. Sie überzeugen mit ihrem progressiven Auftritt auf ganzer Linie, weshalb sie inzwischen im deutschsprachigen Raum zu den Post-Punkrockern schlechthin gehören. Die düsteren Songtexte, das fordernde Schlagzeug und dazu lauter Bass und Gitarrensound, lassen die Köpfe im Zelt bangen.

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Zurück ging es zur Hauptbühne wo die australischen Sticky Fingers an der Reihe waren. Die Band, die eine Art Psychedelic Pop macht, der mit Reggae Elementen bestückt ist, hatte das Publikum direkt überzeugt und es folgte eine wildes hippie-artiges Gehüpfe vor der Bühne. Der Sänger, Dylan Frost, sympathisch in einem Adidas Anzug gekleidet, mal mit, mal ohne Gitarre, und kündigte an, dass noch im September die neue Platte Westway (The Glitter and the Slums) erscheinen wird.

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Im Zelt ging es anschließend mit The Slow Show weiter. Die Briten aus Manchester sind etwas besonderes. Ihre Songs tragen eine Atmopshäre mit sich, die schwer in Worte zu fassen ist und Sänger Rob Goodwin hat eine Aura, die einen unmittelbar in den Bann zieht. Ohne Schuhe trat er auf, mit seiner Band bestehend aus Keys, Trompete, Bass und Gitarren. Daraus ergab sich dann ein Sound, der so gar nicht Manchester typisch ist, sondern sich eher im düsteren, nordamerikanischen bewegte und eine fast bedrückende Stimmung erzeugte. Im vergangenen Jahr veröffentlichten The Slow Show ihre erste Platte White Water auf dem deutschen Label Haldern Pop Recordings. Eine perfekte Platte für die kommende Jahreszeit.

Sticky Fingers_5Auf der großen Bühne folgten The Boxer Rebellion. Die alternativ Rockband, die ebenfalls aus Großbritannien stammt, sorgte für große Töne und begeisterte. Die Band, die es schon seit 2001 gibt, kann inzwischen auf fünf Studioalben und jede Menge Auftritte zurückblicken. Erst vor kurzem veröffentlichten sie das neue Album Ocean by Ocean.

Schon zum Ende des Auftrittes von The Boxer Rebellion, konnte man, wenn man sich im hinteren Bereich des Publikums befand, wahrnehmen, dass es im Zelt wieder laut werden könnte. Die deutschen Nordlichter von Mantar waren an der Reihe. Die Hamburger, die sich erst 2012 gründeten und deren zweite Platte Ode To The Flame in diesem Jahr erschien, passten hervorragend in das dunkle Zelt. Auf der Bühne flackerndes, grelles Licht und dazu ein Duo, das ziemlich viel Energie hatte und geradezu auf Schlagzeug und Gitarre eindrosch.

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Nach Mantar wurde es nur ein kleines bisschen leiser. Auf der großen Bühne sollten die Headliner des Tages, die Blood Red Shoes auftreten. Das Publikum hatte sich deutlich vergrößert und wartet gespannt bis die zwei Briten die Bühne betraten. Die zwei, Laura-Mary Carter und Steven Ansell, machen Rockmusik und wurden wegen ihrer Konstellation schon oft mit den White Stripes verglichen. Von uns nicht. Sie grenzen sich deutlich ab, schlagen mal lautere Töne an, mal leisere und dann wieder sehr laute wie beispielsweise beim Song Cold. Das Set beim Obstwiesenfestival war ein Best Of der Band und das Publikum hatte auch sichtlich Spaß bei den fast schon Klassikern wie A.D.H.D, I Wish I Was Someone Better oder Light It Up. Zwar schien die Band zu Beginn ein paar technische Probleme zu haben, die Sie aber meisterten und letztendlich einen hervorragenden Auftritt hinlegten. Das Duo gab sich publikumsnah und Steven verriert sogar, dass an diesem Tag sein Geburtstag wäre und sein Mutter anwesend sei. Dies musste dann natürlich noch mit einem Bad in der Menge gefeiert werden.

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Erschöpft und ausgepowert machten wir uns nach dem Auftritt der Blood Red Shoes auf den Heimweg. Auch in diesem Jahr ist unser Fazit durchaus positiv. Die Atmopshäre des Festivals ist überaus entspannt, selten sehen wir so viele unterschiedliche Menschen die einfach nur die Musik genießen und sich treiben lassen. Die Kontrollen am Eingang sind im Gegensatz zu anderen Festivals ebenfalls sehr entspannt und das Personal ist sehr nett und zuvorkommend. Das Angebot an Getränken ist groß und man bekommt von Cocktails über Bier bis hin zu alkohlfreien Getränken, alles was das Herz begehrt. Und auch das Essen ist vielfältig. Vor allem für uns ist wichtig, dass man auch vegetarische Speisen bekommt. Zudem bietet das Obstwiesenfestival ausreichend Sitzmöglichkeiten für seine Besucher an und wer genau hinschaut, entdeckt viele Kleinigkeiten und Details, die das Festival zu etwas ganz besonderem machen. Es ist schon erstaunlich, was die vielen freiwilligen Helfer jedes Jahr auf die Beine stellen. Wir sagen – bis zum nächsten Mal!