Juse Ju veröffentlicht in knapp zwei Wochen am 19. Juni 2020 sein neues Album Millennium via Groove Attack.
Wir haben uns gestern Mittag am Telefon mit Juse Ju über die aktuelle Situation, sein Album und die anstehende Tour unterhalten.

About Musïc: Erstmal Danke, dass du dir Zeit für das Interview nimmst. Wie geht‘s dir – wie gehst du mit der aktuellen Situation um?

Juse Ju: Danke gut, ich bin gerade etwas gestresst von den Videodrehs und so aber ansonsten passts. Ein Album Promoten ist ein pain in the ass – das Ganze zu machen während auch noch eine Pandemie herrscht ist ist gleich doppelt nervig.

About Musïc: Wie läuft das jetzt mit der Promo ab? Bei Radiopromo und so?

Juse Ju: Das wird sich jetzt dann zeigen, die ganze Presse Sache läuft jetzt dann erst an. Ich meine in erster Linie promote ich mein Album ja durch Musikvideos und Sachen, die ich poste. Die Presse Sachen kommen jetzt erst so 2-3 Wochen vor Release und ein paar Wochen danach. Deshalb kann ich noch gar nicht sagen ob ich bei den Radiosendern da sein werde und ob ich nicht trotzdem dasein werde – dafür vielleicht aus einem anderen Studio zugeschaltet oder so. Mal gucken.

About Musïc: Gab es irgendwann den Gedanken, den Release deshalb nach hinten zu verschieben? Gerade wegen der Situation?

Juse Ju: Ja ich hab natürlich im Januar / Februar mal darüber nachgedacht als das ganze dann so los ging, aber hab die Idee dann bald wieder verworfen. Es bringt nichts das zu verschieben! Erstmal weiß man nicht wie lange Corona noch geht und zweitens – das ist so ne Sache… Man wird wahnsinnig als Künstler. Das Album –  fertig geschrieben hab ich das ja schon seit einem halben Jahr. Aufgenommen ist es seit Februar. Das heißt ich muss eh schon vier Monate warten auf die Vinyl und die Werbung und das ganze Zeug wie Artwork, Fotos und so weiter was man halt machen muss. Und wenn man dann eh schon so lange warten muss bis das Album raus kommt, dann will man nicht nochmal ein halbes Jahr länger warten. Man weiß ja auch nicht wie lange Corona noch geht. Das hätte auch nichts besser gemacht wenn ich das jetzt verschoben hätte, dann wäre das halt irgendwann später nervig gewesen. Alle leiden daruntern. Wir könnens ja nichts ändern. 

About Musïc: Zumindest hätten die Leute im Homeoffice daheim mehr Zeit die neuen Songs zu hören und Videos zu schauen.

Juse Ju: Nein leider nicht, man sieht das ja in den Abrufzahlen auf Spotify, Deezer und Apple Music – da ändert sich gar nichts. Die Leute hören nicht mehr Musik. Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall. Die Aufmerksamkeit ist eigentlich komplett auf Corona und das ist eigentlich schlecht für die Künstler. Es ist nicht so dass die Leute sich deshalb jetzt mehr mit Musik beschäftigen. Ich glaube wer wirklich gewonnen hat sind so Streaming Plattformen wie Netflix. Die sind im Plus.

About Musïc: Wie lange hast du an dem deinem Album Millennium gearbeitet?

Juse Ju: Das ist immer so bisschen schwer zu sagen. Wenn man jetzt – wirklich Musik nimmt – dann hab ich vielleicht ein halbes / dreiviertel Jahr dran gearbeitet mit meinem Producerteam COW牛. Und jetzt kommt halt nochmal zusätzlich die Zeit wo man den ganzen Businesskram drumrum machen muss. 

About Musïc: Wie kam es dazu dass du mit wieder mit COW produziert hast? Außer bei dem letzten Song „Unter der Sonne“ haben die ja alles mit produziert.

Juse Ju: COW牛 sind ja Executive Producer. Das heißt ja nicht, dass die alles komponieren, sondern die geben meinem Album den Sound. Meine nächste Single zum Beispiel heißt Claras Verhältnis und da ist der Beat eigentlich von Kvso Gaki, das ist ein Beatproducer, aber COW牛 sind dann nochmal so bisschen drüber gegangen und haben den so bisschen an das Album angepasst, damit alles rund ist. Und mit COW牛 hab ich ja schon in der Vergangenheit gearbeitet. Die haben zwei meiner größten Hits produziert: German Angst und Propaganda. Und das ist ein bisschen anderes Arbeiten. Früher hab ich einfach so Beats gepickt von so Beat / Bedroom Producern sozusagen und dann haben wir das so bisschen arrangiert und dann hab ich da drauf gerappt und dann hab ich das einfach rausgehauen. Und das ist jetzt bisschen ein musikalischeres Arbeiten. Wenn du so ein Song nimmst wie TNT zum Beispiel mit der Gitarre in der Hook – das ist halt ganz anders wenn ich zu Musikern sagen kann „Hey, ich hab so die Idee, dass passend zum Text die Gitarre in der Hook anfängt und so“. Da hab ich viel mehr Einfluss darauf wie die Beats am Ende klingen im Gegensatz zu früher.

About Musïc: Millennium beinhaltet wieder autobiographische Texte und Songs. Es dreht sich ja schon auch um die Teenager Zeit und Coming of Age oder wie würdest du das beschreiben?

Juse Ju: Mein Coming of Age Album war Shibuya Crossing. Millennium dreht sich jetzt um meine 20er. So um die Zeit als ich zwischen 20 und 28 Jahre alt war. Aber ich sag mal so – die Kindheit ist ja heutzutage auch etwas länger. Früher hat man ja so mit 21 geheiratet und heutzutage lebt man ja noch länger so diesen jungen Lifestyle. Um diese Zeit geht es so. Es ist quasi die logische Fortsetzung von Shibuya Crossing – meinem letzten Album. Es ist eine interessante Zeit gewesen die 20er. Ich bin jetzt Mitte 30 und kann jetzt so ein bisschen darauf zurückblicken und ich finde vor allem – deshalb heißt das Album auch Millennium – ich finde die 2000er, das ist so eine Zeit, die man noch nicht so richtig bearbeitet hat in der Kunst weil sie noch nicht so lange her sind. Und ich fand es ein super interessantes Thema mich damit mal zu befassen, wie eigentlich die 2000er so waren für mich und mich da wieder hin zurück zu versetzen.

About Musïc: War es von Anfang an klar, dass du so ein Album schreiben möchtest, welches an Shibuya Crossing anschließt oder kam das mit der Zeit?

Juse Ju: Im Sommer nach Shibuya Crossing – also 2018 – vor 2 Jahren schon – da bin ich nach Spanien gegangen und bin am Meer lang durch die Gegend gewandert und hab so darüber nachgedacht und tatsächlich wusste ich schon damals, dass ich das machen möchte. Also wie ihr seht, es dauerte schon relativ lange zwischen den Sachen. Ich bin dann zurückgekommen, hab erstmal zwei Touren gespielt und so ne EP gemacht um mich ein bisschen frei zu machen vom Druck. Und dann hab ich erst angefangen das neue Album zu machen. Also im Jahr 2019. Ich hab erst ein Jahr später angefangen weil ich erst noch so viel andere Sachen machen musste. Aber ich wusste es schon sehr früh.

About Musïc: Wir hatten so bisschen Zeit schon in das neue Album Millennium reinzuhören und da ist uns etwas aufgefallen. Zum Beispiel beim Track Sayonara – ist da der Refrain auf japanisch? Und es geht ja um Freundschaft und das Erwachsensein – kannst du da bisschen näher drauf eingehen? Was wird da auf japanisch gesungen? Ist das eine japanische Künstlerin die du auf dem Track hast? 

Juse Ju: Das ist … woher das genau kommt sag ich jetzt nicht, aber das hängt mit einem gewissen Anime zusammen, der heißt Yū Yū Hakusho. Die singt Sayonara Bye Bye was das heißt kann man sich ja denken. Sayonara heißt auf Wiedersehen und Bye Bye ist einfach Bye Bye. Und dann singt sie übersetzt „Ich hoffe es wird dir gut gehen“ oder „Bleib guter Dinge“ sozusagen und dann singt sie nochmal Sayonara Bye Bye und „es ist leicht für mich“ aber – das darf man nicht so wortwörtlich nehmen. Das ist eher so wie „Ich sage nicht wie schwer es mir fällt, dass ich mich verabschieden muss“. Es ist sehr traurig, sein sehr trauiges Lied – also das Original.

About Musïc: Im Song Edgelord – der Part von Milli Dance (Waving the Guns) ist ja auch jetzt so bisschen aktuell. Er rappt

„So vieles ist so leicht gesagt mit weißem Teint“

das ist ja eigentlich topaktuell gerade.

Juse Ju: Ja wobei man sagen muss, das mag man vielleicht erstmal denken, dass es sich in dem Lied Edgelord um Rassismus in der Gesellschaft dreht, aber in erster Linie dreht es sich hier um eine Hip Hop interne Sache. Wir haben gesagt wir wollten ein Lied machen darüber, was für Faschos die Rapper in Deutschland eigentlich sind. Das ist eigentlich eine interne Anklage – nicht gegen so klassische Rassisten wie jetzt dieser Polizist der George Floyd umgebracht hat in den USA. Da dreht es sich mehr um Rapper, also darum dass Rapper halt per se nicht im Verdacht stehen, rechtes Gedankengut zu haben, aber die haben halt oft eben dieses rechte Gedankengut.

About Musïc: Ihr rappt ja auch

„lass Xavier die Hook noch singen“

Juse Ju: Ja, Xavier Naidoo ist ja ein total gutes Beispiel. Xavier Naidoo ist seit 10 Jahren offensichtlich Reichsbürger und rechts. Und jetzt tun alle überrascht, dabei haben noch viele deutsche Rap Künstler bis vor kurzem mit ihm Musik gemacht und jetzt distanzieren sie sich erst…aber seine Gesinnung ist ja schon ganz lange bekannt. Auch die Zeile mit Xavier ist ja nicht entstanden als der Skandal um ihn war, sondern viel früher. Die war ja schon längst auf dem Album bevor das ja alles passiert ist. Das ist halt lächerlich wenn die Leute jetzt so tun als wär es ihnen ganz neu dass Xavier Naidoo rechts ist. Jeder der sich nur eine Sekunde mit dem befasst hat, konnte das wissen. Die Rapper die wollten das halt nicht sehen, die mit ihm gearbeitet haben. Oder die sehen die Dinge halt doch ähnlicher als dass sie das zugeben wollen.

About Musïc: Vielleicht noch kurz zum letzten Track „Unter der Sonne„. Da geht es um deinen verstorbenen Onkel. Wieviel bedeutet dir das, dass du da jetzt einen Song darüber gemacht hast?

Juse Ju: Ich mach eben Musik um mich und meine eigenen Gefühlsthemen zu hinterfragen. Der ist früh gestorben, das ist jetzt natürlich schon über sieben Jahre her und ich hatte aber nie so richtig – manchmal zieht das Leben an einem vorbei und man merkt das gar nicht und befasst sich gar nicht damit. Und ich wollte mich einfach nochmals mit ihm befassen weil er jetzt schon so lange weg ist.

About Musïc: Also auch Verarbeitung von dem Tod?

Juse Ju: Ich erzähl halt immer Freunden von mir von ihm weil er einfach so n cooler Dude war und ich wollte ihm daher diesen Song widmen.

About Musïc: Dann vielleicht noch kurz zu deinem Albumcover – da hast du eine Katze auf der Schulter. Ist das Pauly the cat? Und die hat auch japanische Zeichen auf der Stirn – was bedeuten die?

Juse Ju: Das ist keine spezielle Katze die es wirklich gibt, also Pauly ist auch nicht die einzige Katze in meinem Leben gewesen die ich hatte. Ich hatte viele Katzen in meinem Leben, immer schon – auch als Kind. Ich mag Katzen. Das ist eigentlich der einzige Grund! Ich wollte dem Cover einfach irgendwie was mysteriöses und weirdes geben und dann hab ich so gedacht, dass mir irgendwas fehlt. Ich identifiziere mich auch irgendwie mit Katzen, ich feier die irgendwie. Die sind auch nachtaktiv, genauso wie ich und die sind auch so bisschen dorky, aber gleichzeitig auch so ein bisschen arrogant. Find ich alles ziemlich geil, damit kann ich mich identifizieren.

About Musïc: Da sind auch verschiedene Menschen im Hintergrund zu erkennen. Sind das irgendwelche bestimmte Personen oder ist das frei gewählt?

Foto: Juse Ju Millennium Albumcover

Juse Ju: Die Menschen auf dem Cover beziehen sich auf die Menschen über die ich rede auf dem Album. Links oben ist mein Onkel, das links drunter ist ne Szene aus dieser Nacht um die sich Sayonara Bye Bye dreht, rechts mit der Gitarre ist der 100.000 tonnen TNT Mann aus der Psychiatrie, da drüber die Models in Tokio und ganz rechts oben ist Clara.

About Musïc: Und das Zeichen auf der Katze, was hat das für eine Bedeutung?

Juse Ju: Klar hat das eine Bedeutung, aber das verrate ich nicht was es heißt, dass müsst ihr selbst rausfinden.

[Anm. d. Redaktion: Das Zeichen hat uns tatsächlich dann noch eine ganze Weile auf Trab gehalten. Nach mehreren Stunden auf verschiedenen Übersetzungsseiten haben wir ein paar Hilfeaufrufe an ein unsere Freunde versendet – und siehe da – innerhalb von 45 Minuten kam tatsächlich eine Antwort. Das Zeichen steht im Japanischen für IKA das sich mit Wut / Zorn übersetzen lässt.
Vielen Dank an dieser Stelle an unsere Liebe Freundin Mieke!]

About Musïc: In deinem aktuellen Video zu Kranich Kick spielst du mit einigen befreundeten Künstlern Baseball. Wie kam es dazu? Warum gerade Baseball?

 

Juse Ju: Ich finde Baseball ist ein super krasser Sport. Ich würde jetzt kein Fußballvideo drehen, das ist irgendwie doch sehr Mainstream, und ich dachte so: Baseball, ich find die Outfits geil, ich mag den Sport und ich bin ja in Japan aufgewachsen und deshalb ist für mich Baseball viel näher, weil in Japan eben Baseball der Sport Nummer 1 ist und nicht wie bei uns Baseball.

About Musïc: Hast du eine Lieblingsmannschaft?

Juse Ju: Nein, ich guck auch super viel Fußball in Deutschland, aber hab jetzt nicht so dieses eine Team das ich feier, aber es gibt eben so ein paar Teams die ich cool finde. In Japan zum Beispiel waren es halt die YOKOHAMA DeNA BAYSTARS, das war so die Mannschaft bei der ich mal im Stadion war und die haben mich dann begeistert, aber so gut kenn ich mich jetzt auch nicht aus um euch zu sagen, dass die YOKOHAMA DeNA BAYSTARS jetzt das coolste Team sind. Aber da hab ich ein T-Shirt von denen und fand die cool, also ja – die YOKOHAMA DeNA BAYSTARS- das ist der Shit! Ich trag aber auch das Trikot der Fukuoka SoftBank Hawks.

About Musïc: Gerade die Baseball Shirts aus dem Video sind ja ziemlich gut bei den Fans angekommen. Wird es diese tatsächlich bald als Merchandise geben?

Juse Ju: Ich hab aktuell ehrlich gesagt nicht die Zeit mich darum so intensiv zu kümmern aber ich glaub ich mach ne kleine Auflage und guck ob die jemand kaufen möchte. Das ist bisschen anstrengend, weil Baseballtrikots nicht so einfach in Deutschland zu bekommen sind und da muss ich mich dann bisschen reinfuchsen.

About Musïc: Wie kam es denn dazu, dass du ein „quasi schwäbisches“ – Bonusalbum POPBIZENEMY beilegen wirst, quasi kostenlos?

Juse Ju: Ihr redet ihr ja auch schwäbisch, seid ihr aus der Gegend?

About Musïc: Ja, wir sind gerade in Wendlingen (Anm.: keine 10 KM von Kirchheim / Teck entfernt).

Juse Ju: Ach in Wendlingen! Wisst ihr eigentlich, dass ich mein allererstes Demo im Jahr 2000 auf Kassette in Wendlingen aufgenommen habe? Das war bei so nem Typ der hatte ein Keller und das haben wir tatsächlich noch auf einer Bandmaschine aufgenommen. Das ist aber auch tatsächlich schon 20 Jahre her. Aber ihr meint warum da so ein Bonusalbum dabei ist?

About Musïc: Genau, wie kam es dazu sich nochmals zusammen zu tun und ein Bonusalbum rauszubringen und das „kostenlos“ mitzugeben zu dem Album.

Juse Ju: Kostenlos ist es ja nicht unbedingt, man kriegt es ja nur wenn man die Vinyl kauft oder die CD. Kostenlos wäre es ja nur wenn ich das ins Streaming gegeben hätte. Das kam so, dass ich gesagt hab, dass ich diese Millennium Idee hatte. Und ich hab ja gesagt, ich will ein Album über die 2000er machen und ich wollte aber auch etwas besonderes machen. Also nicht nur einfach Musik sondern ich wollte auch noch was besonderes. Und 2000 hatte ich einfach meine erste richtige Band und ich hatte da lauter so Ideen, bei denen ich fande, dass sie nicht zu Juse Ju passen. Aber die passten zu Massig Jiggs und das war echt ganz geil. Ich wusste ja gar nicht ob wir wieder zusammen flashen können – aber – wir können es noch. Das ist wie wenn du mit jemand Beach-Volleyball gespielt hast und dann spielst du 10 Jahre lang nicht mehr und checkst dann, dass die Abläufe noch funktionieren. Das ist schön. Cooles Feeling.

About Musïc: Man hört ja auch so bisschen die Anlehung an so ein paar Tracks von damals, oder?

Juse Ju: Kennst ihr das erste Massig Jiggs Album? Habt ihr das mal durchgehört

About Musïc: Leider nicht, wir haben es nirgends gefunden und nur das neue durchgehört.

Juse Ju: Ja das ist super schwer zu kriegen. Also wir haben uns vom Sound auch so bisschen an den 2000ern orientiert. So moderner Boom Bap, MPC Sound und aber auch so dipset spacko Sounds, da haben wir viel gemacht, aber nicht nur. Auch zum Teil moderneres.

About Musïc: Du hast für Ende 2020 / Anfang 2021 eine große Tour geplant. Wir hoffen, dass wir bis dahin wieder zurück zur Normalität gekommen sind. Hast du sonst einen Plan B falls das nicht der Fall sein wird, also – kleinere Clubs oder Sitzplatz Konzerte oder so?

Juse Ju: Kleinere oder Sitz Konzerte sicher nicht, das kostet mich nur Geld. Wenn ich ein Album mache, verdien ich nur mit den LIVE Konzerten Geld. Ich verdien mit dem Album kein Geld, dafür kostete es zu viel ein Album zu machen. Es ist sehr teuer, auch die Videos und so sind sehr teuer. Das heißt ich muss quasi das Geld Live verdienen und das heißt ich kann jetzt nicht zum Spaß irgenwelche Konzerte spielen, die mich dann auch noch Geld kosten. Weil eigentlich sollen die Konzerte die Platte finanzieren und nicht umgekehrt. Das heißt, der Plan ist eigentlich der, die Tour dann zu spielen wenn es eben geht. Wenn jetzt im Herbst das schon wieder geht dann mach ich das im Herbst und wenn es nicht geht, dann mach ich es eben im nächsten Herbst. Aber – ich spiel die Tour! Also die Tour wird gespielt, die Frage ist nur wann!

About Musïc: Vorgestern warst du beim Autokino Konzert mit Fatoni dabei. Wie war es für dich vor einem indirekten Publikum zu spielen?

Juse Ju: Ich fand es komisch, aber ich bin danach ins Publikum zu einem Freund von mir der da mit seinem Auto stand und die meinten es käm super gut an und ich hab mir die letzten Songs von Toni noch reingezogen und fand es dann eigentlich schon ganz cool. Aber das ist jetzt auch keine Möglichkeit, normale Konzerte damit zu ersetzten oder zu kompensieren. Dafür passen in Autokinos zu wenig Leute um dann da wieder die Kosten zu decken für Equipment, Bus, Crew und so weiter. Das kannst du mit nem Autokino Konzert nicht abdecken. 

About Musïc: Wir sind ja wie du jetzt weißt ziemlich nah an Kirchheim / Teck dran. Gibt es noch irgendwelche Lieblingsplätze oder Bars die du in Kirchheim hast und uns verraten möchtest?

Juse Ju: Ich bin aus Kirchheim weggezogen im Jahr 2003, also vor 17 Jahren. Das heißt, viele Sachen haben sich auch verändert seitdem ich weg bin. Ich mochte immer die Konzerte in der Club Bastion und ich mochte auch immer den Skatepark von Kirchheim. Bei mir sind das eher so Nostalgiepunkte, die bringen anderen Leuten jetzt nicht so viel. Für mich ist das schon nostalgisch wenn ich einfach nur durch die Innenstadt von Kirchheim schlender. Aber grad sowas wie die Bastion – da spiel ich sicher nochmal irgendwann ein Konzert. Wenn Corona dann vorbei ist.

About Musïc: Wurde dieses Jahr schon ein Album aus einem anderen Genre veröffentlicht, was dich besonders gecatcht oder auch inspiriert hat?

Juse Ju: Das Album Local Honey von Brian Fallon hat mir sehr gut gefallen.

About Musïc: Also hörst du dann auch manchmal so rockigere Sachen?

Juse Ju: Ich hör ziemlich viel so Musik, wobei das ja eher so Singer-/Songwriter ist. Brian Fallon ist ja der Frontman von The Gaslight Anthem und die sind ja jetzt schon eher so Indie und er macht Solo Singer-/Songwriter. Aber ich hör ziemlich viel durcheinander. Was ich nicht höre ist Elektronische Musik, also kein House oder Techno, kein Schlager und auch keine Klassik aber alles andere dann schon.

About Musïc: Freust du dich auf den Sommer? Ohne Festivals und wahrscheinlich auch ohne großartig Urlaub, wie wird da dein Sommer aussehen?

Juse Ju: Ich hab gar kein Programm, das ist mir aber auch egal. Ich guck einfach mal was ich mache. Ich weiß nicht ob meine Freundin und ich jetzt Urlaub gemacht hätten diesen Sommer. Ich musste jetzt nichts Absagen wegen Corona, ich wusste noch gar nicht was wir überhaupt vorhaben. Ich meine – den Sommer gibt es ja trotzdem, vielleicht probier ich ja neue Sachen aus. Vielleicht geh ich mit einem Zelt in den Wald und wohne zwischen Eichhörnchen, Ratten und Füchsen.

About Musïc: Und du warst aber schon für Festivals gebucht beziehungsweise  war da schon etwas geplant?

Juse Ju: Ja klar, da waren sehr viele Festivals geplant. Ich war schon gebucht auf ein Festival bei euch in der Nähe, das hab ich auch nur deswegen zugesagt, weil ich da richtig Bock drauf hatte. Ich hab immer Bock in der alten Heimat zu spielen. Aber klar, die sind jetzt alle weg die Festivals. Aber was bringts denn, wenn ich mich die ganze Zeit darüber ärgere, dass Corona scheiße ist. Das ist halt so. Genauso wie bei einem Vulkanausbruch, da kann man auch nichts dran ändern. Ist jetzt nicht so dass irgendjemand schuld wäre daran. Wir sind halt sterblich.

About Musïc: Dann vielen Dank für deine Zeit und das Interview!

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Juse Ju © V.Raeter

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