Wir waren gestern bei Hip Hop am Viadukt, welches das erstmals im Rahmen der Live am Viadukt Reihe auf dem Festplatz in Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart stattfand. 

Aufgetreten ist mit Dexter, Fatoni, Yassin, der Antilopen Gang und Dendemann die Elite des deutschsprachigen Rap.

Während das Wetter und vor allem die Sonne an diesem Samstag alles gab, machten wir uns bei Ü30 °C auf den Weg zu einem ganz besonderen Ereignis.
Und nein nein, wir nahmen nicht die Ausfahrt bei Bad Canstatt, an welcher ein Schild auf das Andreas Gabalier Konzert deutete, welches später noch 50.000 Dirndl und Lederhosenträger anlocken sollte – nein, uns zog es in die Stadt, die seit einigen Jahren im Bereich Hip Hop in aller Munde ist – Bietigheim-Bissingen. Wir stellen unser Auto auf einen der vielen gut ausgeschilderten und kostenlosen (!!) Parkplätze ab und begeben uns hin zum Festplatz am Viadukt. Hier findet erstmalig die Konzertreihe Live am Viadukt statt und am heutigen Samstag stand alles unter dem Motto: Hip Hop am Viadukt.
Das Gelände ist sehr schön gelegen an der Enz und mit einem wirklich bestechenden und fotogenen Viadukt am Rande. Als erfahrene Open Air Konzert Gänger bei unmenschlichen Temperaturen, machen wir direkt den obligatorischen Gelände check. Es gibt ausreichend Schattenplätze unter Bäumen, es gibt Essen, es gibt Getränke und dazu Sitzmöglichkeiten und Toiletten, die tatsächlich bis zum Ende hin sauber sind.

Zwar heißen die Söhne der Stadt Rin, Bausa und Shindy und stehen für die neue aktuelle und sehr erfolgreiche Hip Hop und Rap Generation in Deutschland, doch das Line Up glänzte ironischerweise mit den Deutschrap Vertretern der alten Schule – allen voran Dendemann.

Den Anfang durfte noch bei brütender Hitze und heftigsten Sonnenstrahlen, die direkt auf die Bühne knallten, Dexter machen. Der Stuttgarter hatte im Gegensatz zu seinen Kollegen wohl die kürzeste Anfahrt. Dexy, wo bist du? Auf die Bühne kam er mit DJ und Kollege Jaques Shure, dessen Album Randy Savage übrigens am kommenden Freitag, dem 05. Juli 2019 erscheinen wird. 
 
DEXTER © About Musïc | Stephanie Bauer
20 in dem Whip, Am Flughafen, Wind weht durch das Haar – ja, eigentlich passen alle Songs, sowohl mit ihrem Text als auch den federleichten Beats perfekt zu diesem Sommertag. Das stellte auch Dexter klar. Und so bewegen wir die Hüften ein bisschen wavy, schwingen die Hand dazu in die Luft und haben eine richtige gute Zeit mit Dexy.

Dass sich zwischendurch dann natürlich noch Fatoni auf die Bühne gesellt und mit ihm gemeinsam performte, ist bei den beiden, die im Jahr 2015 die heftige Platte Yo, Picasso veröffentlich und sowieso viel zusammen unterwegs sind, zum Glück schon selbstverständlich. Denn heute kennt hier irgendwie doch jeder jeden.

DEXTER © About Musïc | Stephanie Bauer
Der nächste an der Reihe war Yassin, der im Januar sein großartiges Solo Album Ypsilon veröffentlichte. Begonnen mit Haare grau über Abendland und Meteoriten bis hin zu Eine Kugel, spielte Yassin dies auch bis auf drei Songs komplett durch.
 
YASSIN © About Musïc | Stephanie Bauer
Zusätzlich gab es noch die Kostprobe seines Parts auf der Single Jawoll Alder, die er demnächst gemeinsam mit den Drunken Masters, Felly und Juice Gay am Start hat. Sein Set gestaltete sich Abwechslungsreich zwischen ruhigeren Songs, an denen er sich an den Mikrofon Ständer stellte und denen, mit einer lauten Ansage. Da war dann das Publikum erstmals richtig gefordert und folgte der Anweisung von Yassin, durchzudrehen, zumindest so lange er noch den Reißverschluss seiner Jacke oben hat. 

So gab es schon hier die erste Wall of Death in der glühenden Hitze – Respekt an alle.

YASSIN © About Musïc | Stephanie Bauer
Auch Fatoni veröffentlichte mit Andorra ein neues Album und zwar erst vor wenigen Wochen. Ein Album sui generis, welches natürlich viel Rap und Sarkasmus enthält, aber eben auch damit bricht und eigentlich in sich eine eigene Welt ist – die Fatoni Welt.
Dies stellt er dem Publikum in Bietigheim-Bissingen vor und das ist erstaunlicherweise schon ziemlich gut vorbereitet. So kann es die neuen Texte wie beispielsweise die der Singles Clint Eastwood und Alles zieht vorbei ohne Probleme mitrappen.
 
FATONI © About Musïc | Stephanie Bauer
Bei Fatoni wird nicht nur das Mirko in der Hand gehalten, er greift so auf der Bühne auch mal kurz neben sich zur E-Gitarre, holt sich eine Sonnenbrille aus dem Publikum, die dann – wie es der Zufall es so will – gemeinsam mit dem Backdrop – ja fast genauso aussehen wie das Andorra Album Cover. Und dann spielt er Gitarre, rappt, vielleicht singt er auch ein bisschen. Sein DJ V.Raeter sorgt für die Beats und macht gleichzeitig auch sein Backup.
Klar ist, dass dann auch Dexter noch vorbeischaut und mit ihm Das ist alles Kunst abliefert und auch zu Burj Khalifa soll er auf jeden Fall noch bleiben und den Backup machen, darauf besteht dann der Fatoni.
 
FATONI © About Musïc | Stephanie Bauer
Die Antilopen Gang hat zwar keine neue Platte mitgebracht, dafür aber einige Songs in ihrem Hip Hop und Punk Rap Repertoire, die sich hervorragend zum pogen, stagediven und für zahlreiche Wall of Deaths eignen. Und ja, so kommt es. Panik Panzer, Koljah, Danger Dan geben gemeinsam mit dem Publikum richtig Vollgas.
Pizza, Anti Alles Aktion, Beat Zschäpe hört U2, Enkeltrick, der direkt mal an die vielen alten Menschen in Bietigheim-Bissingen gewidmet wird. Der trockene Staub wird in die Luft getragen und zwischen den Staubwolken fliegen Pizzaschachteln.
Wie soll es auch anders sei,n kommt dann natürlich auch bei der Antilopen Gang ein Gast auf die Bühne. Der langjährige Freund Fatoni kommt vorbei und wir hören den gemeinsam Song Liebe Grüße.
 
ANTILOPEN GANG © About Musïc | Stephanie Bauer
Der famose Abschluss, bei dem noch einmal alles ausrastet – Fick die Uni.
Und wer sich während des Auftrittes mal umgeschaut hat, der entdeckt nicht nur Fatoni und Dexter völlig entspannt im Publikum, sondern auch Dendemann mit seiner Crew, der dann als nächstes um 21:45 Uhr auf die Bühne kommt.
 
ANTILOPEN GANG © About Musïc | Stephanie Bauer
Dendemann mit seinem prägnanten Organ trat völlig unprätentiös zu Wo ich wech bin auf die Bühne und legt los wie eine Menschine. Das Bühnenbild, wie schon auf seiner Da nich für! Tour mit Spiegeln, in denen sich das Publikum selbst erkennen kann. Seine Mitmusiker, die Freie Radikale, etwas erhöht im Hintergrund und DJ Mugzee am Rande. 
Viel sagen muss Dendemann zwischen seinen Songs nicht, schließlich sprechen seine Texte für ihn und so haut er Bietigheim in gewohnter Manier einen nach dem anderen um die Ohren, ohne sich und uns eine richtige Pause zu gönnen. Sensationell.
Aber die eine oder andere schnippische Bemerkung zwischendrin lässt er sich dann halt doch nicht nehmen.
Ich hab einen neuen Lieblingsreim auf Bietigheim. Das war er schon. 
Und als es dann doch kurz zu einem stillen Moment kommt, in dem man sich den Schweiß von der Stirn wischen kann, bekommt der Dendemann schon Angst, dass sich jetzt womöglich einer der Jungspunde die vorhin aufgetreten sind zu ihm auf die Bühne gesellen möchte. Lieblingsmensch.
 
DENDEMANN © About Musïc | Stephanie Bauer

Gekonnt arbeitet er sich weiter, DJ Mugzee streut die Beats von Gzuz Standard unter und lässt Deichkind anklingen. Alle bewegen sich dazu und als dann Endlich Nichtschwimmer erklingt, wird richtig lautstark mitgerappt, weil hier im Publikum dürften viele im besten Alter gewesen sein als gerade dieser Song im Jahr 2006 erschien. 

DENDEMANN © About Musïc | Stephanie Bauer
Es Hörtnichauf – leider doch, aber zuvor richtet sich Dendemann mit der Bitte ans Bietigheimer Publikum, man solle doch den hiesigen Rappern ausrichten sie dürften sich sehr gerne bei ihm melden. Pünktlich um 23:00 Uhr verlassen Dendemann, DJ Mugzee und seine Radikale die Bühne am Viadukt. 
 
Recht schnell mussten die Besucher dann durch die beginnenden Abbauarbeiten das Gelände verlassen. Das fanden wir ein wenig schade, da der frühe Abend und die Atmosphäre durchaus noch dazu verlockten länger zu bleiben, noch etwas zu Essen und gemütlich beieinander zu sitzen. Nichtsdestotrotz war die erste Ausgabe von Live am Viadukt beziehungsweise Hip Hop am Viadukt sehr gut und wir vermissten nichts. Besonders gut fanden wir auch die kurzen Umbauphasen zwischen den Künstlern und eben dieses perfekt aufeinander abgestimmte Line Up. Hoffentlich bis zum nächsten Jahr!
 

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