Sir Elton John gastierte im Rahmen seiner Farewell Yellow Brick Road Tour ein allerletztes Mal in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart.

Zwar meldete das Konzert schon viele Monate vor stattfinden ausverkauft an, jedoch wurden in der Woche zuvor nochmals Karten in den Verkauf gegeben. Ein Konzert, für das die Schleyer-Halle komplett bestuhlt wurde. Ein recht seltener Anblick – zumindest für uns.
Die Bühne groß gestaltet mit einem riesigen Bildschirm im Hintergrund und jeweils einem kleineren an den Seiten.
Wie in einem Bildausschnitt wurden Drums und Percussionist erhöht aufgestellt. Auf der Bühne und stetig im Mittelpunkt der Scheinwerfer, das Piano von Elton John.  

Schnelle Songs, langsame Songs, Rock’n’Roll und Blues – ein unfassbares Reportire an Stilen und Musikrichtungen, die Elton John für sich in seiner gesamten Karriere vereinnahmt hat und in seine Musik hat mit einfließen lassen. Das Best-Of daraus bekommt man auf der Farewell Yellow Brick Road Tour.

Überaus pünktlich für einen Briten kam Elton John um 19:05 Uhr ohne großen Aufriss mit seiner Band bestehend aus den Schlagzeugern und Percussionisten John Mahon, Nigel Olsson und Ray Cooper sowie Kim Bullard am Keyboard, Matt Bissonette am Bass und John Jorgenson an der Gitarre auf die Bühne. Großer Applaus.
Nachdem er am Piano platz nahm und sich für das Kommen der Zuschauer bedankte, begann er sein Set direkt mit dem Song Bennie and the Jets, der vom Tour gebenden Album Goodbye Yellow Brick Road aus dem Jahr 1973 stammt und keine halbe Stunde zuvor noch bei uns im Auto lief. Somit waren auch wir „on point“. 

Vor 50 Jahren erschien mit Empty Sky das erste Album von Elton John, da war schon Nigel Olsson mit dabei. Der Multiinstrumentalist John Jorgenson war zwar für den für diesen Tourabschnit Kranken Davey Johnstone eingesprungen, stach aber mit seinem beeindruckenden Gitarrenspiel heraus. Dennoch, eingespielter kann eine Band wohl nicht sein. Alles harmonierte und jeder beherrschte sein Instrument wie kein anderer. Elton John spielte sein Klavier mal sanft, aber dann haute er auch mal kräftiger in die Tasten. Dazu seine Stimme, die er ebenso abwechslungsreich einsetzten kann. Und so arbeiteten sie sich mit einer Leichtigkeit durch eine Setlist die, abwechslungsreicher nicht hätte sein können. Tiny Dancer oder Rocket Man, Sorry Seems to Be the Hardest Word oder Daniel – eigentlich jeder Song ein Hit mit Message und Geschichte. Auf der großen Leinwand im Hintergrund laufen passend zu den Songs Video Frequenzen. Teils Roadmovie ähnlich oder eben Schnipsel aus dem Lebenswerk Elton John, wie beispielsweise bei I’m Still Standing.
Er erzählt kleine Geschichten und Anekdoten aus seinem Leben oder zu den Songs. Er spricht über seine Sucht die er mit Hilfe anderer Menschen überwinden konnte, seine AIDS Stiftung und auch zum Brexit gibt er seine Meinung ab und spricht sich für ein Miteinander – ein europäisches Miteinander aus – gerade jetzt in diesen Zeiten aus. Dann bedankt er sich bei seinen Fans & seiner Band für alles was sie ihm ermöglicht haben und wird dabei ein wenig sentimental. 

Ja nach 23 Songs, knapp drei Stunden und zwei Outfit-Wechsel kommt der 72 Jahre alte Elton John für die Zugabe eingehüllt in einen rosa Bademantel zurück auf die Stuttgarter Bühne und verabschiedet sich endgültig mit den Songs Your Song und Goodbye Yellow Brick Road. So unauffällig er ganz zu Beginn die Bühne betrat, umso abgefahrener verlies er sie am Ende. Unter tobendem Applaus warf der „Rocket Man“ seinen Bademantel von sich, stieg in einen plexigläsernen Aufzug, winkte ein allerletztes Mal seinem treuen Publikum und fuhr dabei hinauf Richtung „Himmel“ und verschwand dann hinter der Bühne.
RESPEKT – was für ein Konzert.

Die Setlist von Elton John in Stuttgart:
 
01. Bennie and the Jets
02. All the Girls Love Alice
03. I Guess That’s Why They Call It the Blues
04. Border Song
05. Tiny Dancer
06. Philadelphia Freedom
07. Indian Sunset
08. Rocket Man (I Think It’s Going to Be a Long, Long Time)
09. Take Me to the Pilot
10. Sorry Seems to Be the Hardest Word
11. Someone Saved My Life Tonight
12. Levon
13. Candle in the Wind
14. Funeral for a Friend/Love Lies Bleeding
15. Burn Down the Mission
16. Daniel
17. Believe
18. Sad Songs (Say So Much)
19. Don’t Let the Sun Go Down on Me
20. The Bitch Is Back
21. I’m Still Standing
22. Crocodile Rock
23. Saturday Night’s Alright for Fighting
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24. Your Song
25. Goodbye Yellow Brick Road