Car Seat Headrest – Interview am 02.06.2016 auf dem Primavera Sound Festival

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Am Donnerstag des Primavera Sound Festival trafen wir uns in einem Hotel in Barcelona mit dem amerikanischen Künstler Will Toledo. Er ist der Frontmann seiner Band Car Seat Headrest, die einen wachsenden Erfolg hat, der so langsam auch zu uns nach Europa und Deutschland rüber schwappt. Will Toledo hat sich mit uns über seine Musik und Einflüsse unterhalten und wieso er keinen Manager hat. Später am Abend spielte er dann auf der Pitchfork Stage ein gefeiertes Set.

Car Seat Headrest
Foto: © Stephanie Bauer / Primavera Sound Festival 2016

About Musïc: Wie geht es dir? Konntest du dir schon Barcelona anschauen?

Car Seat Headrest: Mir geht es gut. Ja, wir sind schon seit gestern hier und wir sind einfach gelaufen – wahrscheinlich war das die Touristen Meile Barcelonas, aber es war sehr schön. Das Wetter ist perfekt und ich war schon zweimal oben im Pool. Man bekommt von hier aus einen guten Eindruck von der Stadt.

 

About Musïc: Wirst du mehrere Shows in Europa spielen?

Car Seat Headrest: Ich glaube das wird unsere einzige Show in Spanien sein. Morgen werden wir in Frankreich spielen…

 

About Musïc: Auch auf einem Festival?

Car Seat Headrest: Ja, ich glaube auf dem „This Is Not A Love Song Festival“. Aber ich bin mir nicht sicher. Es ist Festival Saison und wir werden einige Festivals spielen.

 

About Musïc: Wie würdest du deine musikalischen Einflüsse beschreiben?

Car Seat Headrest: Ich bin damit aufgewachsen, Popmusik aus den Sechzigern und Siebzigern zu hören, als eigentlich Rockmusik das Hauptding war. Viel von meinem Sound kommt aus dieser Zeit. The Beatles, The Who, Pink Floyd. Später als ich etwas älter war hörte ich mehr Alternative und Indie Musik aus den Neunzigern und frühen Zweitausendern an. Das alles vertiefte nur noch mehr meine Idee, wie ich Musik selbst veröffentlichen kann. Und das war dann auch die Zeit, in der ich begann, meine eigenen Sachen auf Bandcamp hochzuladen. Und nun versuche ich ein Netz so weit wie möglich zu werfen und mir so viel wie möglich anzuhören.

 

About Musïc: Hast du eine Lieblingsband?

Car Seat Headrest: Zur Zeit habe ich keine Lieblingsband…Radiohead begleiten mich schon eine sehr lange Zeit aber auch The Beatles. Das sind so unterschiedliche Bands, aus denen ich immer wieder neue Einflüsse ziehen kann.

 

About Musïc: Letztes Jahr hast du einen Deal bei Matador Records unterzeichnet. Was hat sich seitdem verändert?

Car Seat Headrest: Seitdem hat das Projekt einee viel größere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Wir unterschrieben ein halbes Jahr, bevor es überhaupt Angekündigt und öffentlich gemacht wurde. So war es möglich, in dieser Zeit zwei Alben in noch relativer Privatsphäre aufzunehmen. Und dann ist irgendwie alles aufgebrochen, seitdem ist es wie ein Wirbelsturm. Der große Unterschied ist, dass wir viel mehr auf Tour sind als nicht auf Tour. Davor saßen wir hauptsächlich in Seattle fest. Seitdem waren wir an allen möglichen Orten und das ist eine aufregende, neue Erfahrung.

 

About Musïc: Also magst du das Touren?

Car Seat Headrest: Ja, wenn die Umstände stimmen. Es war auf jeden Fall streckenweise so, dass ich es nicht genießen konnte und es zermürbend war. Aber ich mag die Erfahrung und so lange mit den anderen Jungs der Band abzuhängen. Es steht immer etwas neues an, aber gleichzeitig kann man einen Art Tagesplan entwickeln. Man steht auf, fährt zu einer Location, baut auf. Es gibt genug Platz, um sich eine Komfortzone aufzubauen aber es gibt auch sehr viele spannende Dinge die passieren.

 

About Musïc: Kannst du uns etwas über dein aktuelles Album – „Teens of denial“ erzählen? Wie kamst du auf den Namen?

Car Seat Headrest: Der Name kam ursprünglich von der Bildunterschrift des Fotos vom Album Cover, welches ich auf eBay kaufte. Die Bildunterschrift war – Teens of denial. Es gefiel mir, da es in vielerlei Hinsicht ein Album darüber ist, ein Teenager zu sein und sich wie einer zu fühlen, auch wenn man auf gewisse Art und Weise herausgewachsen ist. Das machte Sinn für mich, da die Menschen  auf dem Foto der Platte auch anderswie älter sind. Als Teenager aber sie wurden in Wirklichkeit als solche bezeichnet und das ist ungefähr das selbe wie bei dem Album. Ich bin nun älter als ein Teenager aber die Musik ist irgendwie nur als „Teenage“ klassifizierbar auf ihre eigene Weise.

 

About Musïc: Hast du das Album selbst aufgenommen oder gemeinsam mit einem Produzent?

Car Seat Headrest: Wir hatten einen Produzenten  – Steve Fisk (u.a. Soundgarden) und ich nahm das Album gemeinsam mit meinen zwei Bandkollegen Ethan and Andrew auf. Zur Zeit sind wir einer mehr, aber damals waren wir ein Trio. Wir nahmen das Album in einigen Studios in Seattle auf.

 

About Musïc: Auf welche Art und Weise hat Steve Fisk den Aufnahme Prozess beeinflusst? Und wie entsteht ein Album von Car Seat Headrest?

Car Seat Headrest: Ich hatte einen Sound im Kopf, den ich machen wollte. Es sollte straighter Rock sein, der nach vorne geht, kein Lo-Fi aber auch nichts super produziertes. Ich hatte mir verschiedene Produzenten angehört, die wir vielleicht für unser Album bekommen hätten. Die Bands mit denen Steve Fisk schon gearbeitet hatte und den Sound, den er produzieren konnte, das hat mich angesprochen. Es schien mit dem was ich und von dem Album wollte, einfach zu passen. Wir entschlossen uns zusammen zu kommen und es zu machen und ich finde es hat gut funktioniert. Er hat ein Album gemacht, dass etwas ist, dass in seinen Katalog passt und das auch etwas ist, dass ebenso in meinen Katalog reinpasst.

 

About Musïc: Wie einfach ist es, den richtigen Namen, das richtige Cover oder das passende Video für Album und die Songs zu finden?

Car Seat Headrest: Das wechselt irgendwie immer Last-Minute. Bevor ich den Namen „Teens of denial“ hatte gab es mehrere alternativen an Namen die ich durchgegangen bin, ebenso verschiedene Cover. Für mich ist ein sehr wichtiger Teil des Prozesses und ich versuche relativ früh einen Namen und ein Cover zu haben, um dann mit diesem im Hinterkopf am Album zu arbeiten. Aber zur selben Zeit kann sich das auch ändern, ich kann selbst bestimmen, ob ich zuerst das Album fertig stelle und dann erst den finalen Namen und das finale Cover des Albums festlege. Das ist für mich definitiv ein sehr wichtiger Teil des Prozesses.

 

About Musïc: Unser Online Magazin ist aus Deutschland – erinnerst du dich, eine Show in Deutschland gespielt zu haben?

Car Seat Headrest: Ja. im Februar haben wir in Deutschland gespielt aber ich kann mich nicht mehr daran erinnern wo. Aber wir werden in ein paar Wochen in Hamburg spielen.

 

About Musïc: Erinnerst du dich daran, wann du das letzte Mal in deinem eigenen Bett geschlafen hast?

Car Seat Headrest: Das war…warte…ich glaube, ich habe zur Zeit gar kein eigenes Bett. Wir haben diese bequemen, faltbaren Matratzen, die wir immer mit auf Tour nehmen. Wenn ich zu Hause bin schlafe ich trotzdem noch auf ihnen. Als ich nach Seattle gezogen bin, hab ich mir eigentlich nie mein eigenes Bett besorgt. Ich schlief nur auf diesen Polstern. Was mein Familien Bett angeht, war ich für ein paar Tag zu Hause in Virginia bevor ich nach Europa geflogen bin. Das ist nur ein paar Wochen her als ich in meinem Kinderzimmer und Bett geschlafen habe. Das war aber nicht wirklich angenehm. Ich glaube, ich bevorzuge es unterwegs zu sein und neue Erinnerungen zu sammeln.

 

About Musïc: Bist du kritisch mit dir selbst?

Car Seat Headrest: Oh ja. Ich finde das ist notwendig wenn man ein Künstler ist, ein Art Charakter Typ zu sein, auch als nicht Künstler. Ich bin über-kritisch, aber es hilft mir definitiv meine Kunst zu machen. Weil wenn ich etwas mache und es ist für mich nicht gut genug, dann werde ich erst zufrieden sein, wenn ich es geändert habe und es für mich gut klingt. Ich finde, dass ein Künstler diesen Art von Antrieb benötigt um die Kunst zu machen, zu der er fähig ist.

 

About Musïc: Was ist deine größte Macke?

Car Seat Headrest: Ich glaube ich bin wahrscheinlich wenig teilnahmslos gegenüber anderen oder nicht mitfühlend. Ich hülle mich in meine eigenen Probleme und zeige wenig Sympathie gegenüber anderen und deren Probleme. Es ist nur etwas… manchmal denke ich – ok, das ist nur meine Persönlichkeit und ich akzeptiere es, aber manchmal ist es – naja ich sollte daran arbeiten und ein bisschen mitfühlender sein. Aber das ist das Leben. Ich denke es ist ein kontinuierlicher Balanceakt den man bekämpfen muss.

Car Seat Headrest_Unterschrift
Foto: © Stephanie Bauer / Primavera Sound Festival 2016

About Musïc: Beeinflusst das deine Musik?

Car Seat Headrest: Ja, ich glaube der Charakter meiner Songs ist auf diese Art und Weise genauso wie bei Teens of denial. Das Album beinhaltet sehr viel Frustration und Mangel an Mitgefühl. Ich versuche auf der Platte genauso wenig zufrieden zu sein wie im Leben selbst. Ich glaube, das nächste Album das ich mache wird anders werden. Ich werde versuchen auf dem nächsten Album mitfühlender zu sein weil ich denke, dass es auf diesem Album ein Art Statement für diese eine Seite meines Lebens ist und ich möchte nicht, dass das meine ganze Persönlichkeit als Car Seat Headrest oder Will Toledo ist.

 

About Musïc: Für was gibst du das meiste Geld aus?

Car Seat Headrest: (lacht) Ich glaube das hier. Hier sein, touren und reisen, die musikalischen Sachen zu machen. Ich gebe nicht viel Geld außerhalb davon aus. Ich versuche gegenüber meinen Freunden großzügig zu sein, schicke ihnen Geld wenn sie es brauchen oder Geschenke, wenn sie es verdienen. Für mich selbst gebe ich nicht viel aus, es sei denn, es geht hängt mit der Musik zusammen. Das meiste Geld geht für Flugtickets und so Sachen drauf. Ich habe noch immer keinen Manager oder dergleichen weshalb ich alle Touren selbst finanziere. Das hat bisher ganz gut funktioniert und ich würde das gerne weiterhin so handhaben, aber es ist traurig, zuzusehen wie all die Dollar mein Bankkonto verlassen. Aber sie kommen auch wieder zurück – also ist es okay.

 

About Musïc: Glaubst du, du wirst eines Tages einen Manager haben?

Car Seat Headrest: Vielleicht eines Tages. Bisher habe ich noch keine Notwendigkeit dafür gesehen. Ich denke, dass sie meistens eh nur E-Mails beantworten –  ich kann das auch tun. Ich hab das in den letzten Tagen nicht getan weil es lange gedauert hat bis wir überhaupt hier waren und ich mir selbst ein Wochenende gegeben habe während ich in Barcelona bin. Aber morgen werde ich mich definitiv hinsetzten und eine Menge E-Mails beantworten – dazu kann mir immer die Zeit nehmen.

 

About MusÏc: Wirst du dir heute noch ein paar Bands auf dem Primavera Sound ansehen?

Car Seat Headrest: Ich weiß nicht. Wir müssen gehen. Ich glaube, wir müssen morgen nicht super früh gehen, also sollte ich vielleicht doch wach bleiben und mir ein paar anschauen. Das kommt aber darauf an wie müde ich bin. Nach einer Show bin ich normalerweise immer sehr müde aber ich werde vielleicht wie der Rest der Band versuchen mir Tame Impala anzuschauen.

 

About Musïc: Wo hattet ihr eure beste Show auf der letzten und der jetzigen Tour?

Car Seat Headrest: Mal sehen…wir kamen gerade erst zurück von ein paar Shows in Amerika. Wir hatten eine gute Show in Philadelphia. Ich glaube das war unsere beste dort und auf dieser Tour bis dahin. Gestern spielten wir in Lyon, Frankreich und wir spielten dort auf einem Boot. Das war tatsächlich die erste Show dieser Tour bei der ich das Gefühl hatte, das wir richtig gut waren oder ich richtig gut war. Das machte mich glücklich.

 

About Musïc:  Danke für das Interview!

Car Seat Headrest: Danke.

 

Das Interview wurde geführt am 02.Juni 2016 von Stephanie Bauer

Foto Header: www.facebook.com/Car-Seat-Headrest – Photo by Anna Webbe