Premiere für den Preis für Popkultur

© Preis für Popkultur

Vergangene Woche Freitag ging zum ersten Mal der Preis für Popkultur im Berliner Tempodrom über die Bühne. Ein Preis, der ganz anders sein soll als die bisherigen vermotteten Preisverleihungen, die in Deutschland sonst so stattfinden. Als großes Beispiel und des öfteren im Voraus genannt, geht da der Echo voran, der sich von Jahr zu Jahr an Peinlichkeiten und Widerlichkeiten selbst übertrifft und nur so vor Kommerz strotzt. 

Der Preis für Popkultur soll anders sein, Verkaufszahlen und Geld sollen in den Hintergrund rücken und nur die Musik im Mittelpunkt stehen. Veranstalter ist der Verein zur Förderung der PopKultur e.V.

Das Prinzip des Preises: es gibt eine Fachjury, die sowohl aus Musikern selbst als auch aus Musikschaffenden besteht, und da sind vom Clubbetreiber bis hin zum Promoter einfach alle Bereiche des popkulturellen Lebens vertreten. Dann gibt es die Mitglieder des Vereins, diese Gemeinschaft besteht bisher aus über 300 Mitgliedern, von denen jeder eine Stimme vergeben kann. Daraus ergab sich ein transparentes, faires und breit gefächertes Feld an Nominierten. In zwölf Kategorien mit jeweils fünf Nominierten sind dann demokratisch und unter Aufsicht eines Notars zwölf Sieger herausgegangen.

Als Moderator führte der Künstler und Entertainer Bernd Begemann durch das Programm, der ganz klar Geschmacksache ist und eindeutig nicht jedem gefallen haben dürfte. Dennoch, unserer Meinung nach führte er ganz gut durch die erste Verleihung, die eben noch ihre Stolperer hatte, welche aber bis zum nächsten Jahr locker ausgemerzt werden können. Am Anfang und Ende sowie zwischen den Preisvergaben traten nominierte Künstler auf, die nicht, wie sonst, nur einen Song performen durften. Es standen unter anderem noch Isolation Berlin, Bosse, Boy, Casper und Drangsal auf der Bühne, die wohl im Augenblick die Popkultur Deutschlands am besten wiederspiegeln. Letzterer, Drangsal, der den Newcomer Preis bekam, dürfte den Auftritt des Abends hingelegt haben. Die beste Dankesrede kam von Jan Böhmermann, der zwar nicht anwesend sein konnte, aber dennoch nicht auf Kritik verzichtet und diesmal Mecklenburg-Vorpommern für ihre Wahl anprangerte und Vorschlug, das Bundesland einfach von Deutschland abzudocken und unten an Finnland anzuhängen. Großartig! Schade fanden wir, dass K.I.Z., die mehrfach nominiert waren, keinen Preis erhielten. Gehören sie doch zu einer der deutschen Bands, die vor allem mit ihrem letzten Album Hurra Die Welt geht unter und dem dazugehörigen Konzept großartiges in der deutschen Musikbranche geleistet haben.

Wer jetzt im nächsten Jahr selbst Teil des Preises werden möchte und die Wahl beeinflussen möchte, kann ganz einfach auf der Preis für Popkultur Homepage einen Aufnahmeantrag stellen. Der jährliche Beitrag beträgt nur 60,00 Euro.

 

Gewinner Preis für Popkultur 2016:

Schönste Geschichte
Gewinner: Jan Böhmermann – Schmähkritik

Hoffnungsvollste(r)  Newcomer(in)
Gewinner: Drangsal

Lieblingsband
Gewinner: Moderat

Lieblings-Solokünstler
Gewinner: Bosse

Lieblings-Solokünstlerin
Gewinner: MinePeaches

Lieblingsalbum
Gewinner: Moderat – III

Lieblingslied
Gewinner: Casper feat. Blixa Bargeld, Dagobert, Sizarr – Lang lebe der Tod

Lieblingsvideo
Gewinner: Beginner feat. Gzuz & Gentleman – Ahnma

Gelebte Popkultur
Gewinner: Golden Pudel Club – Hamburg

Beeindruckendste Live-Show
Gewinner: Deichkind

Spannendste Idee / Kampagne
Gewinner: Plus 1 – Refugees Welcome

 

Wer den Preis verpasst hat, kann die Videoaufzeichnung auf concert.arte.tv/fr/prix-de-la-culture-pop anschauen.