Conor Oberst – Konzert am 18.01.2017 im Theaterhaus in Stuttgart

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CONOR OBERST © About Musïc | Stephanie Bauer

An Intimate Solo Performance with Conor Oberst. Lange ist es her, dass der Frontmann der Bright Eyes in Deutschland spielte, von Stuttgart ganz zu schweigen. Das letzte Mal liegt ganze zwölf Jahre zurück. Umso erstaunter und erfreuter waren wir, dass ihn seine Konzertreise zum im Oktober 2016 veröffentlichten Solo Album Ruminations auch nach Stuttgart führte. Als Location diente das Theaterhaus, welches für diesen besonderen Abend voll bestuhlt war. Der Altersdurchschnitt des Publikums dürfte an diesem Abend deutlich über 30 gelegen haben. – interessant. Wir rechneten eher damit, eine Horde an Hipstern und Indie-Liebhabern vorzufinden.

Eröffnet wurde der Abend von Miwi La Lupa, der des öfteren mit Conor Oberst unterwegs ist und mit seiner Hilfe auch das Album Ended Up Making Love auf dem Label Obersts Team Love Records veröffentlichte. Die Songs des Singer- und Songwriter, der mehrere Instrumente beherrscht, sind sehr ruhig  und nachdenklich gehalten. Uns war dies fast ein wenig zu ruhig und mit der uns umgebenden Dunkelheit eher anstrengend.

MIWI LA LUPA © About Musïc | Stephanie Bauer
MIWI LA LUPA © About Musïc | Stephanie Bauer

Auf ihn folgte ohne großen Umbau die aus L.A. stammende Phoebe Bridgers. Sie schien das Publikum mehr zu begeistern als zuvor Miwi La Lupa. Fast schüchtern stand die junge Singer/Songwriterin nur mit Gitarre und ihrer grandiosen Stimme auf der Bühne. Die sehr folkigen Songs erinnerten uns an Julien Baker, mit der sie auch schon auf Tour war. Insgesamt kam Phoebe Bridgers sehr gut bei den Stuttgartern an und auch wir fanden die Dame durchaus erfrischend.  Sie erntete nicht nur vom Publikum großen Applaus, auch Conor Oberst lobte ihr großes Talent mehrmals und Ryan Adams verglich sie sogar schon mit Bob Dylan.

PHOEBE BRIDGERS © About Musïc | Stephanie Bauer
PHOEBE BRIDGERS © About Musïc | Stephanie Bauer

Nach einer 20-minütigen Pause betrat  Conor Oberst gegen 21:20 Uhr die Bühne. Als Unterstützung wurde er den Abend über von Miwi La Lupa an der Gitarre begleitet. Oberst begab sich zunächst an das seitlich stehende Klavier und eröffnete den Abend, wie auch seine Platte Ruminations, mit dem Song Tachycardia, der unserer Meinung nach einer der besten Songs des Albums ist. Fun Fact: Nebst dem Klavier saß ein Herr, der sich dem Anschein nach um die Mundharmonikas von Conor Oberst kümmerte und ihm diese während des Auftritts stetig befeuchtete und wechselte – ein Mundharmonika Roadie. Es folgte ein weiterer Song am Klavier bevor sich Conor Oberst zu seiner Akustik Gitarre begab.

CONOR OBERST © About Musïc | Stephanie Bauer

Beinah eine Stunde konnte man dem hervorrangenden Zusammenspiel und den sehr gut miteinander harmonierenden Stimmen von Miwi La Lupa und Conor Oberst lauschen, bevor es in eine kurze Pause ging. Diese konnten wir laut Oberst dazu nutzen, zu twittern und unsere Meinung über den bisherigen Verlauf des Konzertes rauszuhauen. Anscheinend hatte er das überprüft und war als er zurück auf die Bühne kam etwas enttäuscht von dem nicht so Twitter-freundlichen Stuttgarter Publikum. Er gab ihm aber die Chance, das am Ende des Konzertes nachzuholen. Es folgten weitere Songs von Ruminations, den Bright Eyes und auch vom nächsten Album von Conor OberstSalutations (erscheint am 17 März 2017), der Song A Little Uncanny, der auch, wenn er es nicht so richtig will, doch etwas politisch angehaucht ist. Zudem folgten noch zwei Cover. Von den The Felice Brothers – Rockefeller Druglaw Blues und von Gillian Welch – Everything Is Free. Bei letzterem kam als weitere Unterstützung Phoebe Bridgers zurück auf die Bühne. Gemeinsam klangen die drei mit ihren gesegneten Stimmen durchaus überwältigend.

CONOR OBERST © About Musïc | Stephanie Bauer
CONOR OBERST © About Musïc | Stephanie Bauer

Nach genau zwei Stunden endete das Konzert von Conor Oberst und ja, es war wirklich ein sehr intimer Abend – ein Hochgenuss. Die für uns magisch klingende Stimme von Oberst umhüllte einen durchweg und versetzte uns in andere Sphären. Gepaart mit den mit viel Selbstmitleid und Ironie gefüllten Texten, rührte er uns so sehr, dass wir doch das ein oder andere Tränchen wegdrückten. Ein großartiger Abend.