Beatsteaks – Interview am 20.10.2017 im LKA in Stuttgart

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Beatsteaks 20-10-2017 @ LKA Stuttgart| © About Musïc | J. Zekl

Die Beatsteaks haben am Samstag ein restlos ausverkauftes Konzert in Stuttgart im LKA gespielt. Wir hatten die Ehre, uns mittags bereits mit Bernd Kurtzke für ein kleines Interview zu treffen und über die neue Platte Yours, die Tour und die Vergangenheit zu reden.

 

About Musïc: Und, wie geht’s dir und wie waren eure letzten beiden Konzerte der Tour?

Bernd: Was waren ja die ersten zwei sozusagen. Ganz gut eigentlich, ganz gut. War ausverkauft und hat voll Spaß gemacht. Beim ersten haben wir vielleicht etwas lang gespielt, weiß ich auch nicht. Das waren über 2,5 Stunden, aber macht schon Sinn. Macht Spaß!


About Musïc: Eure neue Platte YOURS ist ja jetzt fast schon 2 Monate draußen. Wie ist das Feedback aus deiner Sichtweise? Wie ist das bis jetzt so bei dir angekommen?

Bernd: Also irgendwie finden die alle gut. Es gibt auch viele die sagen, es gefällt Ihnen überhaupt nicht, aber das ist super für uns, denn es gibt nicht schlimmeres als dass alle sagen „ach, die ist ja ganz nett…“. Man muss auch bisschen polarisieren, das macht es gerade so bisschen perfekt. Aber wie die sich jetzt verkauft – keine Ahnung. Das sind Sachen, die mich überhaupt nicht interessieren.

 

About Musïc: Es hat schon Mut gebraucht, so eine Art Mixtape zu machen, oder?

Bernd: Naja Mut… Wir waren jetzt eigentlich ja immer von Platte zu Platte immer anders. Wir haben ja nicht jetzt 10 Mal die selbe Platte gemacht, sondern immer alles durcheinander und das ist diesmal vielleicht etwas mehr ausgereift und noch breiter als das vorher war. Wir machen einfach die Sachen, die uns Spaß machen.

 

About Musïc: Und ihr seht euch dann schon auch die negativen Kommentare dazu an?

Bernd: Ja klar das gehört ja dazu. Musik ist ja in aller erster Linie Geschmackssache natürlich und es wäre ja schlimm, wenn alle die selbe Musik toll finden würden, das wäre furchtbar langweilig. Und natürlich muss es da solche geben, die das nicht gut finden, ganz klar.
Ich mag ja auch keine Helene Fischer Musik. Ohne Ihr jetzt persönlich nahe treten zu wollen, das ist einfach nicht meine Musik. Und das kann ich auch laut artikulieren, und da wird auch niemand sauer werden. Also die Kommentare liest man schon, aber ist jetzt nicht so, dass man deswegen jetzt schlaflose Nächte hat, überhaupt nicht.

 

About Musïc: Gerade von Fans so Kritik zu hören – mit dem Mixtape bietet ihr ja eigentlich so sämtliche Musikrichtungen an.

Bernd: Natürlich machst du dir da so bisschen das Visier auf und bist angreifbar für die Leute die das dann eben vielleicht nicht so gut finden. Letztens erst meinte ein guter Freund von uns so „Naja, von den 21 Liedern hättet ihr euch auch 18 sparen können“. Naja – ist dann halt so. Ihm gefallen dann halt 3 Stück aber ich denk mir, immerhin gefallen ihm 3! Das ist nicht schlecht.

 

About Musïc: Auf vielen Platten habt ihr immer wieder mit Moses Schneider zusammen gearbeitet. Was macht ihn so besonders für euch, dass ihr immer wieder zu ihm zurück kommt?

Bernd: Wir haben jetzt auf der Platte nicht wirklich mit ihm zusammen gearbeitet ehrlich gesagt, er war nur bei ein paar Songs mit drin und hat einfach so seinen Taste abgegeben und so und sagte „finde ich gut“ oder „finde ich nicht so gut“ oder hat uns vorgeschlagen, wo wir die Mikros hinstellen sollen, weil wir jetzt ja vieles selber aufgenommen haben, weil das einfach das ist was er kann, und darauf kann man sich eigentlich immer verlassen. Auch diese Kleinarbeit die da dazu gehört. Moses wäre jetzt für uns niemand mehr, der eine Vision entwickelt für eine neue Platte die wir machen, weil das ein Produzent ja auch immer machen muss, einfach weil wir ihn zu gut kennen und es nicht mehr so funktionieren würde. Aber so kleine Sachen zwischendurch… Er hat’s angeboten und da gehen wir dann auch gerne drauf ein und kommen auf seine Hilfe zurück natürlich.

 

About Musïc: Und gibt’s einen Produzent oder ein Studio, mit dem oder in dem ihr gerne mal arbeiten möchtet oder zusammen was machen würdet in der Zukunft.

Bernd: Also, da würdest du jetzt, wenn du alle 5 Beatsteaks fragen würdest, natürlich 5 verschiedene Antworten bekommen schätze ich mal. Ich würde aber tatsächlich gerne mal mit Steve Albini zusammen arbeiten. Der hat zum Beispiel, die Pixies gemacht und so. Und das ist auf jeden Fall was. Aber das ist jemand, da fährt man hin und man muss seine Songs können. Der nimmt einen nur auf und mixt das dann. In die Songs greift er gar nicht ein. Aber ich finde, was er gemacht hat ist wirklich super. Und Studio… puh…Wir haben so ne Masche mittlerweile, dass wir uns ein Studio oder einen Raum pro Song rausnehmen, weil wir merken, der Song braucht dann was ganz bestimmtes und dann geht man in bestimmte Räume oder eben Studios dafür. Dass es jetzt DAS eine Studio gibt, wo wir gerne mal rein wollen würden… Abbey Roads vielleicht, das wäre mal ganz interessant. Wahrscheinlich auch einfach mal nur so zum reingehen und gucken.

 

About Musïc: Hattet ihr denn jetzt für das Album so eine erste Deadline die ihr eigentlich einhalten müsstet, die sich dann gezogen hat oder gar nicht?

Bernd: Nö, wir hatten keine Deadline, irgendwann haben wir uns halt selber eine gesetzt, weil wir sonst nicht fertig geworden wären. Wenn du dir keinen Plan machst und dir nicht sagst „dann musst du dann aber wirklich mal Schluss machen“, dann hörst du gar nicht auf rum zu proben und wirst nie fertig. Irgendwann mal muss das.

 

About Musïc: Ihr habt ja jetzt so einen richtig tollen Podcast gemacht. Wie kam es denn dazu und wer hatte die Idee?

Bernd: Ich weiß gar nicht so recht wer die Idee dazu hatte. Also den Chris Guse kennen wir ja schon seit – ziemlich lange schon – und der macht auch schon ziemlich lange in Berlin Radio, Radio Fritz, und irgendwie – Torsten hat mal mit ihm auch Radiosendungen gemacht und so kam irgendwie auch die Idee dazu. Und das war so ’ne Sache, die haben wir so noch nie gemacht. Ich kannte das nur von anderen Bands, die da ihren Podcast irgendwie hatten. Ich hab mich da aber auch bisher nie so wirklich dafür interessiert oder die angehört, mich hat halt eher die Musik interessiert. Und dann hieß es „Komm jetzt macht ihr da mal so“. Und das war vom ersten Moment an mit dem Chris Guse halt super, weil der das einfach kann. Du kommst da hin und du hast gar keinen Plan und er führt dich da ganz locker durch so ne halbe Stunde durch und am Ende ist was ganz tolles entstanden und du weißt eigentlich gar nicht, WIE das jetzt entstanden ist. Und das ist schon was tolles. Das haben wir dann ein paarmal gemacht und wir werden das dann auch weiter machen. Es scheint ja doch Leute zu geben, die das interessiert, offensichtlich.

 

About Musïc: Und hast du selbst auch schon rein gehört in euren Podcast?

Bernd: Ja klar, ich hab mir jeden Podcast angehört. Ganz kritisch jeden angehört natürlich.

 

About Musïc: Und hat da jemand dann auch schon zu viel verraten oder so?

Bernd: Nee – da gehört ja auch alles rein, das sind ja genau die Geschichten, warum man das letztendlich dann auch hört.

 

About Musïc: Ihr hab bei YOURS auch zahlreiche Features. Gerade so für jeden Geschmack was. Wir sind ja riesige Jamie T. Fans und wir wollten mal wissen,wie es dazu kam, dass ihr gerade mit ihm einen Song gemacht habt.

Bernd: Naja, das war auch so, den Song gabs als Demo und irgendwie konnten wir uns Ihn beziehungsweise seine Stimme dazu total drauf vorstellen. Und wir hatten den ja mit auf Tour, 2004 war das glaub ich zu Smack Smash, und damals hat er schon gesagt, wenn wir mal was hätten, er würde gerne mal hier und da bei uns mitmachen. Und das ist uns dann natürlich eingefallen. Wir haben ihm das geschickt, er hat was drauf gesungen, und dann war das schon fertig.

 

About Musïc: Und bringt ihn mal wieder mit als Support auf Tour?

Bernd: Naja, wir haben es angeboten, aber es geht dann ja so immer hin und her – vielleicht, vielleicht auch nicht. Da stecken ja immer noch mehrere Faktoren dahinter.

 

About Musïc: Ihr seid ja jetzt auch schon über 20 Jahre im Business: Hättet ihr damals gedacht, dass ihr so lange als Band bestehen würdet?

Bernd: Wenn du so was machst denkst du höchstens über die nächsten 1 oder 2 Jahre nach. Weiter reicht dein Horizont gar nicht, weil du auch immer mit dem Moment gehst. Kann ja auch morgen irgendwer vom Bus überfahren werden und dann ist es vorbei. Das ist unsinnig darüber nachzudenken, du musst den Moment genießen und machen wo es passiert.

 

About Musïc: Fühlt ihr euch denn noch immer als Punk?

Bernd: Immer noch, na klar! Auch wenn die Musik damit offensichtlich oft nicht viel zu tun hat, aber das ist… Punk hatte für mich nie was mit Musik zu tun. Das ist wirklich eine Geisteshaltung. Da sind wir wahrscheinlich mehr Punk als sonst irgendjemand. Wir machen das, worauf wir Bock haben.

 

About Musïc: Ihr seid Tour mäßig erst mal wieder kleiner unterwegs. Was hat das für Gründe, dass ihr wieder von den großen zurück in die kleineren Locations gegangen seid?

Bernd: Das haben wir eigentlich immer irgendwie gemacht. Wir haben zu jeder Platte solche kleinen Läden wie das LKA gespielt – teilweise auch noch kleiner. So eine Tour gabs eigentlich immer. Wir haben es einmal falsch herum gemacht, da haben wir die großen Hallen zuerst gespielt und sind dann in die kleinen Clubs und das war irgendwie – nee, eigentlich soll es anders herum sein. Und das machen wir jetzt, nächstes Jahr spielen wir dann auch wieder die größeren Hallen. Aber die kleinen Clubs – da kommen wir ja her, das haben wir auch von Anfang an gemacht.

 

About Musïc: Und das macht euch dann schon auch eventuell mehr Spaß?

Bernd: Klar, du bist ja viel dichter dran an den Leuten, man schwitzt zusammen.

 

About Musïc: Ja wir waren auch beim Konzert in Heidelberg im August.

Bernd: Oh ja – das war auch schön warm!

 

About Musïc: Wann hast du für dich damals als du klein warst festgestellt, dass du Musik machen möchtest?

Bernd: Spät! So klein war ich da gar nicht mehr. Ich war in der Lehre damals. Also ich hab die Lehre gemacht, und da hat man sich damals noch Musikkassetten geschenkt und aufgenommen und da ist der Knoten geplatzt und ich wollte unbedingt in einer Band spielen. Da waren dann zwei Kumpels beziehungsweise erst mal einer, mit dem hab ich mich getroffen und zusammen Gitarre und Bass und Gitarre und Schlagzeug gespielt, und irgendwann wurden es dann immer mehr und Leute gingen wieder weg und neue Leute kamen dazu, und jetzt ist es halt das was es jetzt ist.

 

About Musïc: Und was für Platten hast du dir dann damals gekauft – oder Kassetten?

Bernd: Gekauft? Wir haben uns auf dem Radio Sachen aufgenommen, aber Platten hab ich schon gekauft, das war halt alles so was so zu der Zeit angesagt war. Mit ein bisschen, also fast 10 Jahren Verspätung, kam dann bei mir so die 77er Jahre Punk Welle an und das war das so was ich so gern gehört hab. Aber nicht nur. Also davor in meiner Pubertät hab ich schon auch so Nu Wave oder elektronische Geschichten gehört. Das fand ich auch immer ganz toll.

 

About Musïc: Und hat sich das dann bis heute hingezogen, dass du das hörst?

Bernd: Ja total!

 

About Musïc: Wann war das letzte mal, dass du 48/49 – also euer erstes Album – komplett durch gehört hast?

Bernd: Das letzte Mal? Das muss glaub ich 19… Wann kam die Platte raus?

 

About Musïc: 1997

Bernd: Dann muss das 1997 gewesen sein. So ungefähr. Ich hör mir sonst auch so keine Platte von uns in Dauerschleife an. Man spielt ja sowieso die Songs auf Konzerten und dann hört man sich davon ein oder zwei nochmal an, wenn man nicht mehr genau weiß wie, da an der Stelle, wie geht’s da lang, und dann weiß man das auch wieder. Man hat soviel Zeit damit verbracht mit dem Aufnehmen und so, man kennt die auswendig. Das ist jetzt nicht so,…. Nach 10 Jahren ist es schon mal interessant in die alten Platten reinzuhören und zu sehen, wie man es damals gemacht hat. Die Songs verändern sich ja auch mit der Zeit auf der Bühne. Da ist man manchmal ganz schön erschrocken wenn man sieht, was damals funktioniert hat und was heute halt nicht mehr so funktioniert. Aber durch hören – nee.

 

About Musïc: Ja, dann vielen Dank für das Interview!

Das Interview wurde am 20. Oktober 2017 von Stephanie Bauer & Jasmin Zekl geführt

 

Wie es abends beim grandiosen Konzert der Beatsteaks war, könnt Ihr HIER nachlesen

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